Was tun bei falscher Lehre?

1. Dokument mit Bibelstellen…

2.

Was ist Gottes Wille, wenn falsche Lehre herrscht?

Nicht der geht von der Kirche aus, welcher leiblich herausgeht, sondern welcher im Geist den Grund der kirchlichen Wahrheit verläßt.

(Johannes Chrysostomus, Bischof von Konstantinopel, geb. zu Antiochien 347, gest. 407 im Exil)

Im Folgenden ein Auszug aus C.F.W. Walther, Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt

Erinnerung

Das Buch Prof. C.F.W. Walthers „Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt“ hat seit seinem Erscheinen schon unermeßlichen Segen gestiftet. Fragende Christen in der Bedrängnis durch falsche Lehre -erscheine sie klein oder groß, obwohl keine der Lehren des Wortes Gottes klein und gering ist- fanden darin Gewißheit und Wegweisung aus Gottes Wort.

Der Verfasser unterteilt seine Darlegungen in folgende Punkte:

1. THESIS

2. Beweis aus Gottes Wort

3. Zeugnisse der Kirche in ihren öffentlichen Bekenntnissen

4. Zeugnisse der Kirche in den Privatschriften ihrer Lehrer

Damit führt er den Nachweis, daß die von ihm aus der Heiligen Schrift dargelegte Lehre mit den betreffenden Zeugnissen der rechtgläubigen Kirche übereinstimmt.

Wohlgemerkt geht es Prof. Walther nicht um “Väterzitate”, weil er etwa daraus Lehre begründen wollte; vielmehr läßt er die Theologen aus alter Zeit zu Wort kommen als “Zeugnisse der Kirche in den Privatschriften ihrer Lehrer”.

Diesen Nachweis zu führen sind manche, auf reformiertes Glatteis geratene Theologen (Wauwatosa-Theologie) aus Kreisen des Bekenntnisluthertums nicht in der Lage. Aus diesem Grund streuen sie Verachtung gegenüber jedem, der den Nachweis der Übereinstimmung mit den Lehrern der Kirche wie Prof. Walther führt. Sie behaupten, solche Theologen würden ihre Lehre „aus den Vätern begründen und nicht aus der Bibel“. Obwohl dieses Argument den Anschein des Rechts hat, offenbart es deutlich genug ihr Abweichen von der rechten Lehre der lutherischen Kirche, wie ihre Schriften beweisen.

Damit richten sie Zertrennung und Ärgernis an (Röm. 16,17.18) und fallen unter das Wort: Nicht der geht von der Kirche aus, welcher leiblich herausgeht, sondern welcher im Geist den Grund der kirchlichen Wahrheit verläßt.

Wie sich ein Christ gegenüber solchen Erscheinungen nach Gottes Willen verhalten soll, legen die folgenden Seiten dar. Gott der HERR gebe Ihnen seinen Geist und Segen!

Pfarrer Martin Blechschmidt

THESE

Ein Jeder ist bei seiner Seligkeit verbunden, alle falschen Propheten zu fliehen und die Gemeinschaft mit irrgläubigen Gemeinden oder Secten zu meiden.

Beweis aus Gottes Wort.

Nicht wenige, wenn sie hören, daß die Kirche überall sei, wo Wort und Sacrament noch wesentlich ist, machen nun daraus den Schluß: also ist es gleichgültig, ob man sich zu einer rechtgläubigen oder zu einer falschgläubigen Gemeinschaft halte; man ist ja dennoch in der Kirche und kann dennoch selig werden. Aber man irrt sich. Wohl ist es darum nicht nöthig, sich von der Gemeinschaft der Irrgläubigen zu trennen, damit man in der Kirche sei, und wohl werden viele selig, welche aus Mangel an Erkenntnis sich äußerlich zu Secten halten und dennoch im wahren Glauben stehen. Aber was hilft es, in der Kirche zu sein, wenn man nicht von der Kirche ist und nicht zu ihr gehört? Derjenige aber, welcher die falsche Lehre der Secten und ihrer Lehrer erkannt hat, und sich doch zu ihnen hält, ist zwar freilich noch in der Kirche, aber nicht von der Kirche; der gehört nicht zu dem unter den Secten verborgen liegenden göttlichen Samen; sein Gemeinschafthalten mit der Secte ist keine Schwachheitssünde, bei welcher der Gnadenstand noch bestehen kann; ein solcher handelt muhtwillig wider Gottes Gebot, denn Gott gebietet uns in seinem heiligen Worte, falsche Lehrer und ihren verfälschten Gottesdienst zu fliehen und zu meiden. So wenig die Lehre, daß die begnadigten Christen noch Schwachheitssünde haben, diejenigen rechtfertigt, welche darum meinen, in der Sünde wissentlich und muthwillig verharren zu können; so gewiß vielmehr solche auf Gnade Sündigende Kinder der Verdammniß sind; so wenig rechtfertigt die Lehre, daß es auch unter den Secten Kinder Gottes gibt, diejenigen, welche wider Gottes Gebot wissentlich darin verharren wollen, und so gewiß sind vielmehr auch solche muthwillige Theilnehmer an der Verfälschung des Wortes der Wahrheit Kinder der Verdammniß. Denn also stehet geschrieben:

  • 5. Mos. 13,1-3.: „Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch wird aufstehen und gibt dir ein Zeichen oder Wunder, und das Zeichen oder Wunder kommt, davon er dir gesagt hat, und spricht: Laß uns andern Göttern folgen, die ihr nicht kennet, und ihnen dienen – so sollst du nicht gehorchen den Worten solches Propheten oder Träumers; denn der Herr, euer Gott, versucht euch, daß er erfahre, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt.“
  • Matth. 7,15.: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe!“
  • Matth. 24,23.24.: „So alsdann jemand zu euch wird sagen: siehe, hier ist Christus oder da, so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten.“
  • Apost. 20,30.31.: „Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen. Darum seid wacker, und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht einen jeglichen mit Thränen zu vermahnen.“
  • Röm. 16,17.18.: „Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen. Denn solche dienen nicht dem Herrn Jesu Christo, sondern ihrem Bauch, und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.“
  • 1.Cor. 10,18.21.: „Sehet an den Israel nach dem Fleisch. Welche die Opfer essen, sind die
  • nicht in der Gemeinschaft des Altars? Ihr könnet nicht zugleich trinken des Herrn Kelch und der Teufel Kelch; ihr könnet nicht zugleich theilhaftig sein des Herrn Tisches und der Teufel Tisches.“
  • 1.Cor. 11,19.: „Es müssen Rotten unter euch sein, auf daß die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.“
  • 1. Cor. 6,14-18.: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß? Wie stimmt Christus mit Balial? Oder was für ein Theil hat der Gläubige mit den Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes für eine Gleiche mit den Götzen? Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie denn Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen, und in ihnen wandeln, und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum gehet aus von ihnen, und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret kein Unreines an; so will ich euch annehmen. Und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr.“
  • Gal. 5,9.: „Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.“
  • Tit. 3,10.11.: „Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermal ermahnet ist, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündiget, als der sich selbst verurtheilet hat.“
  • 2. Joh. 10.11.: „So jemand zu euch kommt, und bringet diese Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hause, und grüßet ihn auch nicht. Denn wer ihn grüßet, der macht sich theilhaftig seiner bösen Werke.
  • Offbg. 18,4.: „Gehet aus von ihr (Babylon), mein Volk, daß ihr nicht theilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen.

Zeugnisse der Kirche in ihren öffentlichen Bekenntnissen.

Apologie: „Doch soll man falsche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn dieselbigen sind nicht mehr an Christus statt, sondern sind Widerchristi. Und Christus hat von denen klar befohlen: ‚Hütet euch für den falschen Propheten.‘ Und Paulus zu den Galatern: ‚Wer euch ein ander Evangelium predigt, der sei verflucht.'“ (Müller pg. 162.)

Schmalk. Art. Anhang: „Zum dritten muß man auch dies wissen, obschon der Papst den Primat und Oberkeit aus göttlichem Recht hätte, daß man denjenigen Päbsten, so falsche Gottesdienst, Abgötterei und falsche Lehre wider das Evangelium fürgeben, keinen Gehorsam schuldig ist. Ja, das mehr ist, man solle auch solche Päbste und solch Reich für ein Anathema und verfluchtes Wesen halten, wie Paulus klar sagt Gal. 1,8. u. in Actis steht 5,29.“ (Müller pg. 335.)

Ebendaselbst: „Weil nun dem also ist, sollen alle Christen auf das fleißigste sich hüten, daß sie solcher gottlosen Lehre, Gotteslästerung und unbilliger Wütherei sich nicht theilhaftig machen, sondern sollen vom Pabst und seinen Gliedern oder Anhang, als von des Antichrists Reich, weichen und es verfluchen, wie Christus befohlen hat: ‚ Hütet euch für den falschen Propheten.‘ Und Paulus gebeut, daß man falsche Prediger meiden, und als ein Gräuel verfluchen soll. Und 2. Cor. 6. Spricht er: ‚Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen, denn was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß‘ etc. Schwer ist es, daß man so viel Landen und Leuten sich trennen, und eine sondere Lehre führen will. Aber hie stehet Gottes Befehl, daß jedermann sich soll hüten, und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen, oder mit Wütherei zu erhalten gedenken.“ (Müller pg. 336.337.)

Ebendaselbst: „So gebeut Paulus, daß alle Bischöfe, so entweder selbst unrecht lehren oder unrechte Lehre und falschen Gottesdienst verteidigen, für sträfliche Leute sollen gehalten werden.“ (Müller pg. 342.)

Concordienformel, Wiederholung, Art. 10.: „Wie auch unter die rechte freie Adiaphora oder Mitteldinge nicht sollen gerechnet werden solche Ceremonien, die den Schein haben oder, dadurch Verfolgung zu meiden, den Schein fürgeben wollten, als wäre unsere Religion mit der Papistischen nicht weit von einander oder wäre uns dieselbe ja nicht hoch entgegen, oder, wann solche Ceremonien dahin gemeinet, also erfordert oder aufgenommen, als ob darmit und dadurch beide widerwärtige Religionen verglichen und Ein Corpus worden, oder wiederum einen Zutritt zum Pabstthum und ein Abweichen von der reinen Lehre des Evangelii und wahren Religion geschehen, oder gemächlich daraus erfolgen sollte. Denn in diesem Fall soll und muß gelten, das Paulus schreibt 2.Cor. 6.: ‚Ziehet nicht am fremden Joch; was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Darum gehet aus von ihnen, und sondert euch ab, spricht der Herr.'“ etc. (Müller pg. 698.)

Zeugnisse der Kirche in den Privatschriften ihrer Lehrer.

Luther: „Wer seinen Seelsorger weiß, daß er Zwinglisch lehrt, den soll er meiden, und ehe sein Lebenlang das Sacr. entbehren, ehe ers von ihm empfahen sollte, ja auch ehe drüber sterben und alles leiden.“ (Warnung für zw. Lehre XVII, 2440.)… „Und in Summa, daß ich von diesem Stücke komme, ist mirs erschrecklich zu hören, daß in einerlei Kirchen oder bei einerlei Altar sollten beider Theil einerlei Sacrament holen und empfahen, und ein Theil sollte gläuben, es empfahe eitel Bord und Wein; das andere Theil aber gläuben, es empfahe den wahren Leib und Blut Christi. Und oft zweifele ich, obs zu gläuben sei, daß ein Prediger oder Seelsorger so verstockt und boshaftig sein könnte, und hiezu still schweigen, und beide Theil also lassen gehen, ein jeglichs in seinem Wahn, daß sie einerlei Sakrament empfahen, ein jegliches nach seinem Glauben etc. Ist aber etwa einer, der muß ein Herz haben, das da härter ist, denn kein Stein, Stahl und Demant, der muß freilich ein Apostel des Zorns sein. Denn Türke und Jüden sind viel besser, die unser Sacrament leugnen und (dies) frei bekennen; denn damit bleiben wir unbetrogen von ihnen und fallen in keine Abgötterei. Aber diese Gesellen müßten die rechten hohen Erzteufel sein, die mir eitel Brod und Wein geben, und ließen michs halten für den Leib und Blut Christi, und so jämmerlich betrögen. Das wäre zu heiß und zu hart; da wird Gott zuschmeißen in kurzem. Darum wer solche Prediger hat, oder sich deß zu ihnen versieht, der sei gewarnet vor ihnen, als vor dem leibhaftigen Teufel selbst.“ (Ebendas. S. 2446.)

Derselbe: „Wer seine Lehre, Glauben und Bekenntniß für wahr, recht und gewiß hält, der kann mit andern, so falsche Lehre führen, oder derselben zugethan sind, nicht in Einem Stalle stehen, noch immerdar gute Worte dem Teufel und seinen Schuppen geben. Ein Lehrer, der zu den Irrthümern stille schweigt, und will gleichwohl ein rechter Lehrer sein, der ist ärger, denn ein öffentlicher Schwärmer, und thut mit seiner Heuchelei größern Schaden, denn ein Ketzer, und ist ihm nicht zu vertrauen; er ist ein Wolf und ein Fuchs, ein Miethling und ein Bauchdiener etc. und darf Lehre, Wort, Glauben, Sacrament, Kirchen und Schulen verachten und übergeben; er liegt entweder mit den Feinden heimlich unter Einer Decke, oder ist ein Zweifler und Windfaher und will sehen, wo es hinaus wolle, ob Christus oder der Teufel obsiegen werde, oder ist ganz und gar bei sich selbst ungewiß, und nicht würdig, daß er ein Schüler, will geschweigen ein Lehrer heißen solle, und will niemand erzürnen, noch Christo sein Wort reden, noch dem Teufel und der Welt wehe thun.“ (Gespräch mit D. Georg Major. XVII, 1477.)

Derselbe: „‚Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.‘ (Gal. 5,9.) Ist eine Warnung, die St. Paulus groß achtet, davon wir billig auch viel halten sollen, sonderlich zu unserer Zeit. Denn die Rotten, so da fürgeben, daß Christi Leib und Blut im Abendmahl nicht gegenwärtig sind, verweisen und sprechen uns übel, daß wir zänkisch, hartsinnig und unfreundlich sein und um eines einigen Artikels willen vom Sacrament die christliche Liebe und Einigkeit der Kirchen trennen, meinen derhalb, wir sollten den Artikel daran so viel nicht gelegen, deß man auch nicht allerdings gewiß sei, sintemal die Apostel ihn nicht genugsam, als wohl von Nöthen wäre, erkläret haben, so hoch und groß nicht achten, daß man um desselben willen beide, die ganze christliche Lehre und gemeine Einigkeit, so vieler christlichen Gemeinden, darüber sollte zergehen lassen, sonderlich weil sie sonst in allen andern Artikeln der christlichen Lehre, welche nöthiger sind und mehr daran gelegen ist, mit uns allerdings eins wären.

Mit solchem ihrem Argument, das wahrlich einen Schein hat und in des Pöbels Ohren wohl klingt, machen sie nicht allein, daß die, so ihnen anhangen, uns bitter feind werden; sondern bereden dadurch auch viele fromme Leute, daß sie uns ungewogen werden, und uns verdenken, als thäten wir es aus eitler Eigensinnigkeit oder sonst aus einem sonderlichen Grolle, daß wirs mit ihnen nicht halten wollten. Aber es sind eitel behende Tücke und Argelist des Teufels, damit er nichts anders suchet, denn daß er nicht allein diesen Artikel, sondern die ganze christliche Lehre umkehren und zerstören möchte.

Darum antworten wir auf solch ihr Fürgeben mit St. Paulo und sagen: ‚Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.‘ Gleichwie in der Philosophie, wenn man im Anfang (im Princip) ein wenig fehlet, am Ende ein sehr großer und unmäßíger Irrthum daraus wird: also gehet es in der Theologie auch zu, daß ein kleiner Irrthum die ganze christliche Lehre verderben und fälschen soll. Darum soll man Lehre und Leben nur sehr von einander scheiden. Die Lehre ist nicht unser, sondern Gottes ist sie, der uns allein zu Knechten und Dienern darüber berufen hat: darum sollen noch können wir den allergeringsten Titel oder Buchstaben davon nicht begeben oder nachlassen. Das Leben aber ist unser; derohalben so viel dasselbige betrifft, können die Sacramentirer von uns nichts begehren, daß wir nicht gern wollen und sollen thun, leiden, verzeihen u. s. w., doch so ferne, daß an der Lehre und Glauben nichts begeben werde. Denn so sagen wir allewege mit St. Paulo: ‚Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.‘

Darum können wir im selben Stücke nicht um ein Härlein breit weichen. Denn es ist mit der Lehre so genau abgezirkelt und eigentlich abgemessen, daß man ohne großen und merklichen Schaden weder dazu thun, noch davon etwas nehmen kann; mit dem Leben aber ist es also, daß es wohl etwas auf sich nehmen, oder aber etwas nachgeben, thun oder leiden kann, wie es die Nothdurft erfordert.

Wenn einem ein klein Stäublein in ein Auge fällt, kann er es nicht leiden, läßt es herausziehen, oder thut dem Auge Schaden. Daher pflegen wir Deutschen von der Augenarzenei zu sagen: Nichts ist in die Augen gut; und Christus sagt Matth. 6,22., Luc. 11,34.: ‚Das Auge ist des Leibes Licht, wenn nun dein Auge einfältig sein wird, so ist dein ganzer Leib Licht‘ etc. und hernach v. 36.: ‚Wenn nun dein Leib Licht ist, daß er keine Stücke von Finsterniß hat, so wird er ganz licht sein.‘ Mit welcher Allegorie oder Gleichniß Christus anzeiget, daß das Auge, das ist, die Lehre kurzum ganz rein und lauter, helle und licht sein soll, daß kein Stück der Finsterniß, auch nicht ein einiges Wölklein, daran vermerket werde etc. Auch hat St. Jacob in seiner Epistel ohne Zweifel nicht aus seinem Geist, sondern wie er es von den Aposteln gehöret, sehr hübsch und fein gesagt C. 2,10.: ‚Wer an Einem sündigt, der ist am Ganzen schuldig.‘ Darum soll die Lehre sein, gleichwie ein feiner, ganz güldener Ring, daran kein Rißlein noch Bruch sei; denn sobald solcher Ring ein Rißlein oder Bruch gewinnt, ist er nicht mehr ganz. Was hilfts die Jüden, daß sie gläuben, daß ein einiger Gott und Schöpfer aller Dinge sei, ja, daß sie alle Artikel gläuben und die ganze Schrift annehmen, so sie Christum verläugnen? Darum ist es, wie St. Jacob saget: ‚Wer an Einem sündiget, derselbe ist am Ganzen schuldig.‘

Darum ist dieser Spruch fleißig zu merken wider ihr Argument, damit sie uns mit Unwahrheit auflegen, als zerrissen wir die Liebe und Einigkeit in der Christenheit zu großem Schaden und Nachtheil der heiligen Kirche. Wir sind wahrlich bereit und willig, Friede und Liebe ihnen zu erzeigen; doch so ferne sie uns die Lehre des Glaubens unverletzt und ungefälscht lassen. Wo wir solches bei ihnen nicht erhalten können, ist es vergebens, daß sie die christliche Liebe so hoch rühmen. Verflucht sei die Liebe in Abgrund der Höllen, so erhalten wird mit Schaden und Nachtheil der Lehre vom Glauben, der billig alles zumal weichen soll, es sei Liebe, Apostel, Engel vom Himmel, und was es sein mag etc.

Darum geben sie damit, daß sie diese Sache so leicht und gering achten, genugsam zu verstehen, was sie von der Majestät und Herrlichkeit des göttlichen Worts halten etc. Wo sie ernstlich und von Herzen gläubten, daß es Gottes Wort wäre, würden sie damit nicht also leichtfertig scherzen und spielen, sondern es in höchsten Ehren halten, und ohne allen Zweifel und Disputation gläuben, was es ihnen sagt und fürhält: würden auch wissen, daß Ein Gottes Wort alle, und wiederum alle Gottes Wort Eins wären; würden wissen, daß alle Artikel unseres christlichen Glaubens Einer wären, und wiederum, daß Einer alle wäre, und wo man einen fahren läßt, daß gewiß die andern allesammt mit der Zeit einzelig hinnachfallen: den sie hangen alle aneinander und gehören zusammen.

Darum lassen wir es geschehen, daß sie die christliche Liebe so hoch rühmen, als sie immer mögen: wir rühmen dagegen von er Majestät und Herrlichkeit des Worts und Glaubens. Die Liebe kann man etwa nachlassen, daß es ohne Schaden und Gefahr ist: das kann aber mit dem Wort und Glauben nicht geschehen. Die Liebe soll Alles leiden und Jedermann weichen; dagegen aber soll und kann der Glaube gar nichts leiden und kurzum Niemand weichen. Die Liebe, so gern weicht, alles gläubt, zu gute hält, vergibt und leidet, wird oftmals betrogen; aber gleichwohl können ihr alle Trügereien keinen Schaden thun, der ein Schade heißen möchte, das ist, sie verleuret darum Christum nicht, wenn sie gleich betrogen wird; darum läßt sie sich nicht irre machen, fähret immer fort, hilft und thut wohl Jedermann, auch gegen den Undankbaren und die es nicht werth sind. Dagegen, wenn es in Sachen ist, so die Seligkeit belangen und die Schwärmergeister ihre Lügen und Irrthum unter dem Schein der Wahrheit lehren und damit viel Leute betrügen und verführen, da muß man wahrlich keine Liebe erzeigen, ihren Irrthum auch nicht billigen und recht sprechen: denn da verleuret man nicht eine Wohlthat, einem Undankbaren erzeiget, sondern das Wort, den Glauben, Christum selbst und das ewige Leben etc. verleuret man.

Darum habe deß keinen Zweifel, wenn du Gott in Einem Artikel verleugnest, so hast du ihn gewißlich in allen verleugnet. Denn er läßt sich nicht stückweis zertheilen in viel Artikel, sondern ist ganz und gar in einem jeden, und in allen zumal Ein Gott. Darum wenn uns die Sacramentirer lange und viel beschuldigen, daß wir der Liebe nicht achten, als wir billig thun sollten, antworten wir ihnen mit diesem Spruch St. Pauli: ‚Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig‘; item: mit der Ehre, Glauben und Augen ist böse scherzen.

Dieß habe ich mit so vielen Worten gesagt, die Unsern fest zu machen und die andern zu lehren, welche sich vielleicht ärgern mögen an unserer Beständigkeit und denken, wir wären sonst so steif und trotzig, und hätten nicht redliche Ursachen dazu. Darum soll es uns gar nichts irren, daß sie viel rühmen, wie gern sie die Liebe und Einigkeit unter uns und ihnen erhalten wollen, und wie herzlich wehe es ihnen thue, daß sie zertrennet werden soll. Denn wer Gott und sein Wort nicht lieb hat und ehret, dem ist nicht geholfen, er liebe sonst, was er wolle etc.

Darum vermahnet St. Paulus mit diesem Spruch beide, Lehrer und Zuhörer, daß sie nicht denken sollen, es wäre die Lehre des Glaubens so eine geringe und leichte Sache, daß wir damit spielen und kurzweilen möchten unseres Gefallens. Sie ist ein Sonnenglanz, der vom Himmel herab kömmt und uns erleuchtet, entzündet und regieret. Gleichwie aber die ganze Welt mit aller ihrer Weisheit und Gewalt den Sonnenglanz, so vom Himmel herab straks auf die Erde gehet, nicht lenken kann: also kann man der Lehre des Glaubens nichts weder ab- noch zuthun, man wolle sie denn ganz und gar verkehren. …

‚Wer euch aber irre macht, der wird sein Urtheil tragen, er sei, wer er wolle.‘ Gal. 5,10. Mit diesen Worten verdammet St. Paulus die falschen Apostel so gewaltig, als ob er solch Urtheil über sie vom Richterstuhl Christi herab spräche, nennet sie mit einem sehr häßlichen Namen, der Galater Irrmacher; so doch die guten Galater sie für die Allerheiligsten und für gar viel bessere Lehrer hielten, denn eben St. Paulum selbst.

Auch will er mit diesem schrecklichen Urtheil, dadurch er die falschen Apostel so thürstiglich verdammet, die Galater zugleich dahin bereden, daß sie sich für ihnen hüten und vorsehen sollen, als vor dem allerschädlichsten Gifte; als wollte er also sagen: Was höret ihr doch den schädlichen und giftigen Lügnern lange zu, so euch nichts lehren, sondern nur irre machen, und mit ihrer Lehre nichts anders ausrichten, denn daß sie allein die Gewissen damit verwirren? Darum werden sie auch ihr Urtheil haben, sie seien gleich wie hoch und groß sie immer sein können.

Man kann aus diesen Worten, ’sie sein, wer sie wollen,‘ wohl abnehmen, daß die falschen Apostel müssen nach dem äußerlichen Ansehen sehr fromme und heilige Leute gewesen sein; und mag vielleicht wohl sein, daß unter ihnen ein sonderlicher, großer, namhaftiger Mann gewesen sei, der ein Jünger der rechten Apostel gewesen und ein großes, herrliches Ansehen gehabt habe; denn St. Paulus thut es fürwahr nicht ohne Ursache, daß er so große und gewaltige Worte führet. Auf solche Weise redet er auch droben im ersten Capitel v. 8.: ‚So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würden Evangelium predigen anders, denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.‘ Auch ist kein Zweifel daran, ihrer viel werden sich an diesen heftigen, geschwinden Worten des Apostels hart gestoßen und also gedacht haben: Wie handelt St. Paulus so geschwind wider die Liebe? Warum ist er so steif und eigensinnig in einer so geringen und leichten Sache? Warum übergiebt er so schnell dem Teufel dahin ins ewige Verderben die, so gleich sowohl Christi Diener sind, als er ist? Nach dem allen fraget er nichts; gibt ihm auch nichts zu schaffen, daß sie das Ansehen hatten als fromme, heilige, gelehrte Männer und derhalben hoch gehalten waren; sondern weil sie die Lehre vom Glauben verrücken, verflucht und verdammt er sie aufs allersicherste, zweifelt auch nicht ein Haarbreit daran, daß er ihnen recht thue.

Also halten wir dieser Zeit auch für verbannet und verdammt alle die, so da sagen, daß der Artikel vom Sacrament des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Christi ungewiß sei, oder den Worten Christi im Abendmahl Gewalt thun. Denn wir wollen kurzum alle Artikel der christlichen Lehre, sie sein groß oder klein (wiewohl uns keiner klein noch geringe ist), ganz rein und gewiß haben und darinnen nicht einen Titel nachlassen. Und das muß auch sein. Denn die Lehre ist unser einiges Licht, das uns leuchtet und führet und den Weg gen Himmel weiset: wenn wir uns dieselbe in Einem Stück schwächen und matt machen lassen, ist es gewiß, daß sie ganz und gar kraftlos wird; versehen wir es hierinne, wird uns die Liebe nichts helfen. Wir können ohne der Sacramentirer Liebe und Einigkeit wohl selig werden: das kann aber nicht geschehen ohne die reine Lehre und Glauben. Darum wollen wir gerne Liebe und Einigkeit haben mit denen, so mit uns christlich und gütlich in allen Artikeln der christlichen Lehre halten und gläuben: ja, wir wollen, so viel an uns ist, auch mit unsern Feinden Friede halten, wollen für die bitten, so da unsere Lehre unwissentlich lästern und verfolgen, aber für die nicht, so da wissentlich wider ihr eigen Gewissen einen oder mehr Artikel der christlichen Lehre anfechten.

Und daß wir so steif und eigensinnig sind, lehret uns St. Paulus hier mit seinem eigenen Exempel, der um einer Sache willen, so die falschen Apostel sammt ihren Jüngern nicht allein geringe und leicht, sondern auch ganz unbillig däuchte (denn sie hielten beiderseits, daß diese recht und göttlich lehreten und jene recht und göttlich gläubeten), darf die falschen Apostel so frei und thürstiglich verdammen, und sagen: ‚Sie werden ihr Urtheil tragen, die euch irre machen.‘ Darum muß man, wie ich oft und viel zu vermahnen pflege, die Lehre fleißig vom Leben scheiden. Die Lehre ist der Himmel, das Leben die Erde: im Leben ist Sünde, Irrthum, Uneinigkeit, eitel Mühe und Arbeit; da soll die Liebe überhören und übersehen, soll sich leiden, da soll die Vergebung der Sünden regieren und walten; so ferne doch, daß man solche Sünde und Irrthum nicht vertheidigen wolle. Aber mit der Lehre ist es viel ein ander Ding; denn sie ist heilig, rein, lauter, himmlisch, göttlich. Wer die ändern oder fälschen will, gegen den ist weder Liebe noch Barmherzigkeit zu beweisen, darum bedarf sie auch keiner Vergebung der Sünden.

Darum taugt es gar nicht, daß man Lehre und Leben mit einander vergleichen will: denn an einem Buchstaben, ja, an einem einigen Titel der Schrift ist mehr und größer gelegen, denn an Himmel und Erden. Darum können wir es nicht leiden, daß man sie auch in dem Allergeringsten verrücken wollte. Was aber betrifft die Gebrechen und Fehler am Leben, da können wir wohl zu gut halten und übersehen. Denn wir sind auch arme Menschen, so täglich straucheln und sündigen; ja, alle liebe Heiligen bekennen mit großem Ernst im Vater Unser, daß sie Sünder sein, und gläuben Vergebung der Sünde. Aber unsere Lehre ist von Gottes Gnaden rein; so ist kein Artikel unseres Glaubens, deß wir nicht guten beständigen Grund in der heiligen Schrift haben: dieselben wollte uns der Teufel gerne besudeln und verkehren. Darum greift er uns so tückisch an mit diesem Argument, daß er uns durch die Rotten Schuld giebt, wir halten nicht Friede, sondern sind zänkisch und zerreißen die Einigkeit und Liebe in der Kirche oder Christenheit.

Da siehest du, was St. Paulus hält von einem kleinen Irrthum in der Lehre, der sich für geringe, ja wohl für die Wahrheit läßt ansehen; nämlich so groß und gefährlich hält er ihn, daß er die falschen Apostel, so doch nach dem Ansehen große Leute waren, verfluchen darf. Darum dürfen wir den Sauerteig der falschen Lehre nicht so geringe achten: denn er sei so wenig, als er immer sein mag, machet er gleichwohl, wenn man nicht Acht darauf hat, daß die Wahrheit und Seligkeit dadurch niederliegt und zu Boden geht und Gott dadurch verläugnet wird. Denn wenn das Wort gefälschet und Gott (wie von Noth wegen folgen muß) verläugnet und verlästert wird, ist keine Seligkeit mehr zu hoffen. Ob aber wir gleich verlästert, verflucht und erwürgt werden, da liegt keine Macht an; denn Er ist noch unerwürget, der uns wiederum kann aufwecken und erlösen vom Fluch, Tod und Hölle.

Darum sollen wir lernen von der Majestät und Herrlichkeit des Worts groß und viel halten; denn es ist nicht so eine geringe und leichte Sache, als die Schwärmergeister dieser Zeit wohl meinen, sondern ein einiger Titel ist größer und mehr, denn Himmel und Erden. Darum fragen wir hier nichts nach christlicher Einigkeit oder Liebe, sondern brauchen straks des Richtstuhls, das ist, wir verfluchen und verdammen alle die, so die Majestät des Worts auch in dem Allergeringsten fälschen und verrücken, denn ‚ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.‘ Wenn sie uns aber das Wort ganz und unverrückt lassen, sind wir bereit, nicht allein Liebe und Einigkeit mit ihnen zu haben, sondern erbieten uns deß, daß wir herzlich gern wollen ihre Knechte sein, und alles thun, was wir nur sollen; wollen sie es aber nicht, so gebe Gott, daß ehe sie und alle Welt, ja auch wir sammt ihnen, vergehen und in Abgrund der Höllen verstoßen werden, allein daß Gott wahrhaftig bleibe in seinem Wort. Bleibt der, so bleibt auch Leben und Seligkeit; dazu werden auch die, so dem Wort gläuben, wohl bleiben und erhalten werden, wenn sie gleich in Abgrund der Höllen wären.“ (Auslegung des Briefes an die Gal. 5,9-12. Vom J. 1535, VIII, 2652 ff.)

Derselbe: „Daß wir da anheben, da sie“ (die Zwinglianer) „schreiben, Bücher machen und vermahnen, man solle um dieser Sachen willen die christliche Einigkeit, Liebe und Friede nicht zureißen; denn es sei ein gering Ding (sagen sie) und ein kleiner Hader, um welches willen die christliche Liebe nicht solle gehindert werden, und schelten uns, daß wir so steif und hart drüber halten und Uneinigkeit machen. … Verflucht sei solche Liebe und Einigkeit in Abgrund der Hölle, darum, daß solche Einigkeit nicht alleine die Christenheit jämmerlich zertrennet, sondern sie nach teufelischer Art noch zu solchem ihrem Jammer spottet und närret. … Nein mir nicht, liebe Herren, des Friedens und der Liebe. Wenn ich Einem Vater und Mutter, Weib und Kind erwürget, und wollt ihn auch dazu erwürgen, und darnach sagen: Halt Friede, lieber Freund, wir wollen uns lieb haben, die Sache ist nicht so groß, daß wir drum sollten uneins werden: was sollt er zu mir sagen? O wie lieb sollte er mich haben! Also, die Schwärmer erwürgen mir Christum, meinen Herrn, und Gott Vater, in seinen Worten, dazu meine Mutter, die Christenheit, sammt meinen Brüdern, wollen dazu mich auch todt haben, sie wollen der Liebe mit mir pflegen. …

Es hilft sie auch nicht, daß sie wollten sagen: sie hielten sonst allenthalben viel und groß von Gottes Worten und dem ganzen Evangelio, ohn allein in diesem Stück. Lieber, Gottes Wort ist Gottes Wort, das darf nicht viel Mäkelns. Wer Gott in Einem Wort lügenstraft und lästert, oder spricht, es sei geringe Ding, daß er gelästert und gelügenstraft wird, der lästert den ganzen Gott und achtet geringe alle Lästerung Gottes. Es ist Ein Gott, der sich nicht theilen läßt, oder an einem Ort loben, am andern Ort schelten, an einem Ort ehren, am andern verachten. … Aber wir armen Sünder, die wir ‚gar ohne Geist‘ sind, sagen wider solche heiligen Christen aus dem heil. Evangelio also: ‚Wer Vater und Mutter, Weib und Kind, Haus und Hof, dazu seine Seele mehr liebet, denn mich, der ist mein nicht werth.‘ Matth. 10,37. und abermal v. 34.: ‚Ich bin nicht kommen, Friede auf Erden zu geben, sondern das Schwerdt;‘ und Paulus: ‚Wie reimet sich Christus und Belial zusammen?‘ Sollen wir nun christlich eins mit ihnen sein und christliche Liebe zu ihnen haben, so müssen wir ihre Lehre und Thun auch lieb haben und uns lassen gefallen, oder je zum wenigsten dulden. Das thue, wer da will; ich nicht. Denn christliche Einigkeit stehet im Geist, da wir Eines Glaubens, Eines Sinnes, Eines Muthes sind. Eph. 4,6. Das wollen wir aber gerne thun, weltlich wollen wir mit ihnen eines sein, das ist, leiblichen zeitlichen Frieden halten. Aber geistlich wollen wir sie meiden, verdammen und strafen, weil wir Odem haben, als die Götzer, Gottes Wort Verkehrer, Lästerer und Lügner; daneben von ihnen leiden, als von Feinden, ihre Verfolgung und Zertrennung, so fern und lange Gott leidet, und für sie bitten, sie auch ermahnen, daß sie ablassen: aber in ihr Lästern willigen, schweigen oder billigen, wollen oder können wir nicht thun. … Darum mögen wir wohl zu solchen Schwärmern und Geistern, die uns solchen Frieden anbieten, sagen, wie Christus zu seinem Verräther Juda im Garten sprach: ‚O Juda, verräthest du also des Menschen Kind mit dem Kusse?‘ Luc. 22,48. Ja freilich, ein Jüdischer Friede und verrätherlicher Kuß ist das, da sie uns wollen freundlich sein und an uns erlangen, wir sollen stille schweigen und zusehen ihrem Brand und Mord, damit sie so viel Seelen ins höllische Feuer ewiglich bringen, und wollens für gering und nichts gehalten haben.“ (Schrift, daß diese Worte Christi: „Das ist mein Leib,“ noch veste stehen, wider die Schwarmgeister. Anno 1527. XX, 962 ff.)

Derselbe: „Weil nun so viel und große Warnungen und Vermahnungen Gottes an ihnen“ (den Scramentirern) „schlechts verloren sind, … muß ich sie fahren lassen und meiden, als die autokatakritos ( ) Tit. 3,11., die wissentlich und muthwilliglich verdammt sein wollen, und mit ihrer keinem einigerlei Gemeinschaft haben, weder mit Briefen, Schriften, Worten, noch Werken, wie der Herr gebeut Matth. 18,17., er heiße Stenkefeld, Zwingel, oder wie er wolle; denn ich rechne sie alle in Einen Kuchen, wie sie auch sind, die nicht gläuben wollen, daß des Herrn Brod im Abendmahl sei sein rechter natürlicher Leib, welchen der Gottlose oder Judas ebensowohl mündlich empfähet, als St. Petrus und alle Heiligen. Wer das (sage ich) nicht will gläuben, der laß mich nur zufrieden mit Briefen, Schriften oder Worten, und hoffe bei mir keiner Gemeinschaft, da wird nichts anders aus.“ (Kurzes Bekenntnis vom heil. Sacrament wider die Schwärmer. A. 1544. XX, 2211. 12.)

Derselbe: „Etliche unverständige Geister fürgeben, durch den Teufel betrogen, über dem Sacrament und anderer Irrung: man solle nicht über Einem Artikel so hart streiten und darüber die christliche Liebe zutrennen, noch einander darüber dem Teufel geben; sondern, ob man gleich in einem geringen Stücke irrete, da man sonst in andern eines ist, möge man wohl etwas weichen und gehen lassen, und gleichwohl brüderliche und christliche Einigkeit oder Gemeinschaft halten. Nein, lieber Mann, mir nicht des Friedens und Einigkeit, darüber man Gottes Wort verleuret; denn damit wäre schon das ewige Leben und alles verloren. Es gilt hier nicht weichen, noch etwas einräumen, dir oder einigen Menschen zu liebe. Sondern dem Wort sollen alle Dinge weichen, es heiße Feind oder Freund. Denn es ist nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen, sondern um des ewigen Lebens willen gegeben. Das Wort und die Lehre soll christliche Einigkeit oder Gemeinschaft machen; wo die gleich und einig ist, da wird das andere wohl folgen; wo nicht, so bleibt doch keine Einigkeit. Darum sage mir nur von keiner Liebe noch Freundschaft, wo man dem Wort oder Glauben will abbrechen; denn es heißt nicht: die Liebe, sondern: das Wort bringet ewiges Leben, Gottes Gnade und alle himmlische Schätze. Das wollen wir gerne thun, daß wir äußerlichen Friede mit ihnen halten, als wir in der Welt thun müssen mit jedermann, auch mit den ärgsten Feinden; das gehe seinen Weg, in dieses Leben und weltliche Wesen, darüber wir nichts zu kämpfen haben, aber der Lehre und christlichen Gemeinschaft halben wollen wir nichts mit ihnen zu thun haben, noch für Brüder, sondern für Feinde halten, weil sei auf ihrem Irrthum wissentlich beharren, und wider sie fechten durch unsern geistlichen kampf. Darum ist es nur ein teufelischer und betrüglicher, listiger Anlauf, so solches fürgibt und fordert, daß man solle etwas weichen und einen Irrthum zu gut halten um Einigkeit willen, damit er uns suchet also listiglich vom Wort zu führen. Denn wenn wir solches annehmen und werden der Sache eines, so hat er schon Raum gewonnen und bald eine ganze Elle genommen, da ihm ein Finger breit gewichen wäre, und so bald gar eingerissen. Es scheinet wohl nicht, daß so große Gefahr und Macht daran liege, aber St. Paulus machet es wahrlich groß, daß es nicht gelte Geld noch Gut, noch Menschenliebe und Gunst, oder weltlichen Friede und Gemach, noch was Fleisch und Blut ist und vermag, oder die Welt geben und nehmen kann, sondern Gottes und des ewigen Lebens Verlust. Darum lasse jenes bleiben oder fahren, wo es bleibet oder fähret; denn damit hat er noch nichts gewonnen. Versiehest du es aber, daß er dir dieß Stück, nehmlich das Wort, nimmt, so hast du alles verloren, und ist kein Rath noch Hülfe mehr. Denn das Hauptstück ist dahin, ohne welches kein gut Leben, noch was du vermagst, gilt noch bestehet vor Gott, und doch der Teufel mit solchem schönen Vorgeben und Schein darnach stehet und suchet, wie er dich darum bringen möge; denn er hat es im Sinne, daß er dir alles nehmen wolle. Darum gilt es hier nicht Scherzens noch sicher sein.“ (Predigt von der Christlichen Rüstung und Waffen. A. 1532. IX, 455-57.)

Chemnitz: „Es ist wahr, weil die Lehre der hauptsächlichste Theil des Amtes ist, daß daher, wenn die wahre Lehre verfälscht wird und gottlose Meinungen festgesetzt werden, das Amt selbst verändert wird, und daß das Amt derjenigen, welche die Lehre verfälschen, zu verlassen sei, weil geschrieben stehet: ‚Sehet euch vor vor den falschen Propheten;‘ desgleichen: ‚Sie hören des Fremden Stimme nicht, sondern fliehen vor ihr‘.“

J. Gerhard: „Wir gestehen es ein, daß wir in einem guten Sinne Schismatiker sind, weil wir uns nehmlich von der römischen Kirche und deren Haupte, dem römischen Pabste, getrennt haben, allein wir haben uns keinesweges von der Einigkeit der katholischen Kirche und deren Haupte, Christi Jesu, geschieden. Doch, o seliges Schisma, durch welches wir mit Christo und der wahren katholischen Kirche vereinigt worden sind! Ein solches Schisma war es einst, durch das sich die christliche Kirche von der jüdischen Synagoge trennte, dergleichen auch Apost. 2,40. Geboten wird: ‚Laßt euch helfen von diesen unartigen Leuten.‘ Offb. 18,4.: ‚Gehet aus von ihr.‘ Ein solches Schisma gebieten auch die Väter. Ignatius in seinem Briefe an die Philadelphier im 6. Capitel: ‚Wenn jemand demjenigen folgt, welcher sich von der Wahrheit losgetrennt hat, so wird er das Reich Gottes nicht ererben, und wer von dem Lügenprediger nicht weicht, wird zur Hölle verdammt werden.‘ Ambrosius in seinem Commentar zu Lucas am 6. Capitel: ‚Verwirft irgendwo eine Kirche den Glauben, so muß sie verlassen werden.‘ Chrysostomus in der 46. Predigt über den Matthäus: ‚Nicht der geht von der Kirche aus, welcher leiblich ausgeht, sondern welcher im Geist den Grund der kirchlichen Wahrheit verläßt. Denn wir gehen von jenen (den Arianern) dem Leibe nach aus, jene durch ihren Glauben.‘ Durch diese Gebote und Beispiele ermahnt, haben wir, indem wir uns von der abgöttischen römischen Kirche getrennt haben, nicht Zion verlassen, sondern sind wir aus Babel geflohen; haben wir die Kirche nicht zertrennt, sondern, Pauli That in der Ephesinischen Kirche folgend (Apost. 19,9.), die Jünger abgesondert. Wir haben nicht nach dem Beispiele Jerobeams und der Donatisten Altar gegen Altar aufgerichtet, sondern den Damascenischen Altar (2. Kön. 16.) aus dem Hause des Herrn geworfen und den wahren Gottesdienst wieder angerichtet.“

F. Balduin: „Es ist eine sehr ernste Ermahnung Pauli 2. Cor. 6,14.: ‚Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit?‘ und Eph. 5,11.: ‚Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß;‘ deßgleichen 1. Cor. 10,14.: ‚Fliehet von dem Götzendienst!‘ Und dieses ziehet alle Frommen von der Genossenschaft der Gottlosen ab und scheidet die Bekenner verschiedener Religionen in ihren religiösen Uebungen von einander. Daher ist es Pflicht eines frommen und standhaften Bekenners, die Beilage der gesunden Lehre, von welcher er in seinem Gewissen überzeugt ist, so zu bewachen, daß dieselbe auf keine Weise befleckt, gemindert oder überhaupt verloren werde; und dies kann eben durch unvorsichtigen Umgang mit denen, welche der wahren Religion entgegen sind, geschehen. Daher sind wir schuldig, so viel an uns ist, uns des Gottesdienstes derselben zu enthalten, damit wir theils uns selbst keine Scrupel machen, theils nicht zum Aergerniß der Schwachen mit den Widersachern zusammenzuhalten scheinen. Gegen diese apostolische Ermahnung wird von Manchen auf eine zwiefache Weise gesündigt. Denn erstlich mischen sich Manche aus eigenem Antrieb, ohne daß es ihnen jemand befiehlt, in jene unheiligen Gottesdienste, entweder weil sie Epicuräer sind, die sich um keine Religion bekümmern, und denen es gleich ist, an welche Gemeinschaft sie sich anschließen; oder weil sie ein Gewinnstlein suchen, wovon sie sehen, daß sie es nicht erlangen könnten, wenn sie in der Religion nicht mit anderen zusammenhielten. Diese aber sündigen sehr schwerlich, da es nur Einen Glauben gibt, von dem ein jeder in seinem Herzen gewiß sein soll; was aber mit wankendem Gewissen geschieht, ist Sünde, Röm. 14., und in Sachen der Religion ist schändlicher Gewinnst gänzlich zu fliehen. Solche hinken auf beiden Seiten; und wenn sie nicht völlige Epicuräer sind, so sind sie doch zum wenigsten Laue in der Religion, die ein schweres Urtheil des Herrn erwartet. Zweitens gibt es solche, welche den Befehl der Obrigkeit vorschützen, durch den sie zu jenem Gottesdienst gezwungen werden; aber da die Obrigkeit nicht Herr über das Gewissen und die Religion ist, so wird ihr hierin mit Recht der Gehorsam verweigert; denn man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen, Apost. 5., und dem Kaiser muß man so, was des Kaisers ist, geben, daß man auch Gotte gebe, was Gottes ist. … ‚Wenn der Kaiser das eine gebietet, etwas anderes Gott,‘ sagt Augustinus in der 6. Predigt über die Worte des Herrn im Ev. Matth., ‚was urtheilet ihr? Gottes Gewalt ist die größere, die der Obrigkeit die geringere: gib der Obrigkeit ihre Abgaben, Gott leiste den Gehorsam; sei willfährig: die Obrigkeit droht mit Gefängniß, Gott mit der Hölle.‘ Doch in zwei Fällen kann es geschehen, daß einer ohne Verletzung seines Gewissens bei dem Gottesdienst der Ungläubigen oder Ketzer gegenwärtig sein kann: 1. Um denselben einmal anzusehen, wenn einer nur darum denselben anzuschauen kommt, damit er von dem ungöttlichen Wesen der Ungläubigen oder Ketzer besser und gewisser Zeugniß geben könne. So besuchen Reisende die Synagogen der Juden, sind bei der papistischen Messe zugegen, sehen die Prozessionen derselben mit an, um selbst Augenzeugen von dem zu sein, was sie anderen, wenn sie es ihnen erzählt hätten, kaum geglaubt haben würden. Doch ist hier große Vorsicht nöthig, damit es nicht scheine, als hielten wir es mit den Widersachern; daher muß man sich der Geberden der Widersacher enthalten, nicht mit auf die Kniee niederfallen, nicht mit an die Brust schlagen, wie die Papisten, wenn Messe gehalten wird, thun; sondern dann ist vielmehr durch irgend welche Zeichen unsere Nicht-Uebereinstimmung offen zu erkennen zu geben, obwohl man seine Gesinnung gegen jenen Gottesdienst der Widersacher nicht durch Lachen oder durch ein anderes öffentliches Zeichen der Verachtung ausdrücken soll. Wo es nicht erlaubt ist, seine Nicht-Uebereinstimmung öffentlich zu erkennen zu geben, ist es besser, von solchen Gottesdiensten entfernt zu bleiben, damit wir nicht entweder unser Gewissen beschweren oder uns bei den Widersachern in Gefahr setzen. Heuchlerische Verstellung findet hier keinen Raum, sondern stößt vielmehr bei Gott und Menschen an; denn ’niemand kann zween Herren dienen; entweder er wird einen hassen, und den andern lieben; oder wird einem anhangen, und den andern verachten,‘ ;Matth. 6,24. So betrat Paulus zu Athen den Götzentempel, aber er billigte den Götzendienst nicht, sondern nahm daher Gelegenheit, die Götzendiener besser zu unterrichten, Apost. 17,22. 23. Es ist aber nöthig, daß der, welcher ohne Gefahr des Gewissens bei dem Gottesdienst der Ketzer, allein um ihn einmal mit anzusehen, zugegen sein will, vor allem ganz gewiß sei, daß das, was er daselbst sieht und hört, dem wahren Gottesdienst entgegen sei. … Wer davon in seinem Herzen fest überzeugt ist, wird die Blindheit der Menschen bei so großem Lichte des Evangeliums bejammern und für die armen Verführten bei Gott Fürbitte thun, daß er denselben ihre Sünde nicht zurechne, sondern dieselben vielmehr zur Erkenntniß der Wahrheit führe. 2. Ferner ist es erlaubt, bei den gottesdienstlichen Uebungen der Ketzer gegenwärtig zu sein, wenn es ein weltliches Amt von uns fordert; wenn einer z. B. seinen päbstlichen Fürsten oder Herrn zur Messe oder zu den papistischen Prozessionen begleitet, so ist ihm erlaubt, dieß zu thun, nur daß er die Abgötterei seines Herrn auf keine Weise billige, noch ihm zu gefallen etwas in seiner Religion verleugne, noch verstellter Weise an dem päbstlichen Aberglauben Theil nehme, vor den päbstlichen Gegenständen der Anbetung die Kniee nicht beuge, nicht an die Brust schlage, die Heiligen nicht anrufe, den Messehaltern nicht Gaben darbringe, und auf keine andere Weise Ehrfurcht oder irgend eine Theilnahme bezeige; sondern daß er nur als ein Zuschauer dabei stehe, nicht um jenes Gottesdienstes, sondern um seines Herrn willen, dem er diesen weltlichen Dienst der Begleitung leisten mußte. So erlangte der Syrer Naeman von Elisa, daß es ihm gestattet war, seinen König in den Tempel Rimmon zu begleiten, in welchem zwar der König sein Götzenbild anbetete, nicht aber so Naeman; sondern dieser leistete seinem König nur den Dienst, daß er denselben führte, 2. Kön. 5,18. Aber auch hier ist eine doppelte Vorsicht nöthig: 1. daß auch dieser politische Dienst ohne Aergerniß der Schwachen geschehe; denn wenn dieser Verkehr eines evangelischen Dieners in einem papistischen Tempel die Schwachen ärgerte, welche etwa denken möchten, daß derselbe über die evangelische Religion in Zweifel sei und die papistische Abgötterei billige, so wäre von solchen Dienstleistungen vielmehr abzustehen; denn auch an sich erlaubte Dinge müssen unterlassen werden, wenn sie nicht ohne Anstoß gebraucht werden können, wie Paulus von dem Fleischessen schreibt: ‚So die Speise meinen Bruder ärgert, wollte ich nimmermehr Fleisch essen, auf daß ich meinen Bruder nicht ärgerte,‘ 1. Cor. 8,13. In diesem Falle sind daher die Schwachen entweder zu unterrichten, und es ist ihnen die wahre Ursache dieses Verkehrs anzuzeigen, oder es ist von dem papistischen Herrn die Erlaubniß zu bitten, daß er uns mit einem solchen Dienste, durch welchen der schwache Bruder geärgert wird, verschone. 2. Es kann geschehen, daß man von evangelischen Dienern solche Dienste verlange, um sie in Versuchung zu führen, ob wir nehmlich mit unseren Oberen in der Religion zusammenhalten wollen, oder damit durch diese Gegenwart der gottlose Gottesdienst gebilligt und bestätigt werde; dann ist es nicht erlaubt, bei falschen Gottesdiensten zugegen zu sein. Denn wenn unsere Freiheit versucht wird und unsere Einstimmung wider Willen trüglich abgenöthigt wird, dann ist nach Pauli Beispiel (Gal. 2,5.) den Feinden der Wahrheit keinesweges zu weichen. So wollten die protestantischen Churfürsten und Fürsten auf jenem großen Augsburger Reichstage im Jahre 1530 Kaiser Karl V. nicht zur Messe und zu den Prozessionen am Frohnleichnamsfeste begleiten, weil sie merkten, daß dieser Dienst von ihnen auf Anregen der Mönche absichtlich gefordert würde, nicht daß sie dem Kaiser nur einen politischen Dienst leisteten, sondern daß sie durch ihre Gegenwart auch jene papistischen Gräuel bestätigten; was sie recht wohl wußten, da jener Reichstag zum guten Theil deswegen angesagt war, damit die den papistischen Gräueln entgegengesetzte Confession verhört würde, der sie durch diese gefährliche Handlung nicht entgegenhandeln wollten.“

Derselbe: „Wir haben das apostolische Gebot: ‚Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen (2. Cor. 6,14.), sondern fliehet von dem Götzendienst‘ (1. Cor. 10,14.). Welche sich daher mit Wissen und Willen unter den abgöttischen Gottesdienst der Papisten und unter die irrgläubigen religiösen Uebungen der Calvinisten mengen, obgleich sie dieselben in ihrem Herzen nicht billigen, ziehen doch eben mit der öffentlichen Ausübung eines fremden Gottesdienstes mit den Ungläubigen an Einem Joche. Denn es ist nothwendig, daß der, welcher die Wahrheit erkannt hat, alle Lüge und alle Irrthümer fliehe. Zum andern haben wir das Beispiel der ursprünglichen Kirche, wo die Christen mit den Juden in der öffentlichen Ausübung der Religion nichts gemein hatten; obgleich sie in vielen Hauptstücken der Religion übereinstimmten, so übte doch ein jeder seine Religion in seiner Gemeinschaft aus, damit sie nicht eine Religionsmengerei zu machen schienen, welche Gott im Gesetz verboten hat: 5. Mos. 22,9. 3. Mos. 19,19. Drittens soll man die Ketzer in ihren Irrthümern nicht bestärken, was von uns geschähe, wenn wir an ihrem Gottesdienst theil nähmen; denn auf diese Weise würden sie sich Hoffnung machen, daß wir uns mit der Zeit auch in den übrigen Stücken mit ihnen verbinden würden; ja, sie würden unserer spotten, als ob wir eben damit bezeugten, daß wir uns von ihnen ohne Ursache getrennt hätten, sintemal wir ihre gottesdienstlichen Handlungen mit der That billigten. Viertens machten wir uns der vielen Gotteslästerungen und Gräuel, womit ihre Secte erfüllt ist, theilhaftig, was mit dem höchsten Ernste zu vermeiden ist; daher uns geboten ist, von ihnen auszugehen, damit wir ‚ihrer Sünden nicht theilhaftig werden und nicht empfangen etwas von ihren Plagen,‘ Offb. 18,4. Und wenn das Ausgehen nicht dem Leibe nach geschehen kann, so soll es doch dem Herzen nach geschehen, womit wir uns von ihren gottesdienstlichen Handlungen absondern. Fünftens würde den Schwachen das Aergerniß gegeben, als ob wir in unserem Glauben nicht fest genug wären, und als ob sie Unrecht daran gethan hätten, daß sie den Widersachern so lange und so beständig widersprochen haben. Denn warum nehmen wir an dem Gottesdienst derjenigen theil, von deren Religion wir wissen, daß sie falsch ist? Wehe aber dem, durch welchen Aergernisse kommen! Matth. 18. Sechstens, die Sacramente sind auch Kennzeichen der Kirche und des Bekenntnisses; wer daher weiß, daß die päbstliche oder calvinische Kirche nicht die wahre Kirche sei, der muß sich auch von den Sacramenten dieser Kirche enthalten, sonst billigt er stillschweigend den Glauben dieser Kirche. Ja, ist doch auch der Gebrauch der Sacramente eine besondere Art des Bekenntnisses; wenn wir daher vor der Lehre einer Gemeinschaft einen erstlichen Abscheu tragen, so müssen wir uns auch ihrer Sacramente enthalten, damit wir nicht in Heuchelei fallen; nichts ist aber in Sachen der Religion gefährlicher, als diese Pest. Denn was für ein Glaube und was für eine Religion ist das, wovon wir mit der That das Gegentheil bezeugen? Um deßwillen fordert Gott bei seinem Dienst den ganzen Menschen: 5. Mos. 6. Matth. 22. Uebrigens kann auch eine dazu gethane Protestation, daß man durch diese äußerliche Handlung die Religion des Widertheils nicht gutheißen wolle, diese Gefahr der Heuchelei nicht abwenden; denn eine solche Protestation ist der That entgegen, womit wir die Papisten und Aehnliche in ihren Irrthümern unterstützen, befestigen, und, daß sie recht thun, stillschweigend zugeben. Hierzu kommt endlich das Beispiel der Frommen in der ersten Kirche, welche mit den falschen Lehrern keine Gemeinschaft haben wollten. Johannes, der Apostel, hat, wie Irenäus berichtet, neben Cerinth auch nicht sitzen wollen. Polykarpus, der Schüler Johannis, hat den Ketzer Marcion auch nicht grüßen wollen, daher Marcion entrüstet sagte: ‚Kennst du mich nicht?‘ dem aber Polykarpus antwortete: ‚Ich kenne dich als den Erstgeborenen des Satans.‘ Als Arsacius nach Vertreibung des Chrysostomus in der Gemeinde zu Constantinopel im Amte folgte, hat niemand von den Gläubigen ihn der Anrede oder des Anhörens gewürdiget, wie Theodoret, Sozomenus und Nikephorus sagen; ja, viele wollten lieber ins Exil gehen, als den Gottesdienst dieses Miethlings besuchen. Von dem Arianer Lucius sagte einer: ‚Es sei ferne, daß deine Hand mich weihe,‘ wie Sokrates schreibt. So sehr schauderten die Frommen von dem Gottesdienst der Ketzer zurück, so lange sie anderswo ein reineres Predigtamt noch haben konnten. Aus diesen Ursachen muß man sich des Gottesdienstes derjenigen enthalten, von deren Religion wir gewiß sind, daß dieselbe gottlos und dem Worte Gottes entgegen sei; und wenn uns die Obrigkeit zu diesem Gottesdienst zwingen zu wollen wagen sollte, so wäre ihr nicht zugehorchen, weil es gegen das Gewissen ist, über das kein Mensch herrschen kann. … Aber noch vielmehr sind diese Ursachen zu beachten in dem Sacrament des hl. Abendmahls, welches nicht von so großer Nothwendigkeit ist, wie die Taufe. Dasselbe ist daher weder von Papisten, noch von Calvinisten zu nehmen; denn diese haben das wahre Abendmahl nicht, weil sie das Wesen dieses Sacraments verfälschen. … Hier hat der Ausspruch Augustins statt: ‚Glaube, und du hast gegessen‘; und wie ich gesagt habe: das Nehmen des Sacraments ist ein Kennzeichen des Bekenntnisses und der Lehre; wer daher die Lehre der Kirche, in welcher er das Sacrament gebrauchen will, nicht für wahr erkennt, der kann das Sacrament in dieser Kirche nicht mit gutem Gewissen gebrauchen.“

Hierüber mögen nur noch einige Zeugnisse aus den Schriften der Lehrer der alten Kirche folgen:

Ignatius: „Ich ermahne euch daher, nicht ich, sondern die Liebe Christi, daß ihr allein christliche Speise gebrauchet, des fremden Krautes euch aber enthaltet, welches ist die Ketzerei. Jene mischen selbst in ihr Gift Jesum Christum, indem sie reden, was unwürdig ist, geglaubt zu werden, denen ähnlich, welche tödtliches Gift mit Honigwein geben. Wer das nicht weiß, nimmt es freudig hin – in verderblicher Lust den Tod. Vor solchen hütet euch daher! Dieß aber wird euch gelingen, wenn ihr euch nicht aufblähet, und von Gott, Jesu Christo und von dem Bischof und von den Vorschriften der Apostel ungeschieden bleibt.“

Derselbe: „Einige pflegen argen Truges den Namen (Christi) herumzutragen, indem sie andere Dinge treiben, welche Gottes unwürdig sind; diese müßt ihr wie wilde Thiere meiden. Denn sie sind wüthige Hunde, die heimlich beißen; vor diesen müßt ihr euch vorsehen, wie vor Leuten, die an einer schwer zu heilenden (ansteckenden) Krankheit leiden.

Derselbe: „So viel ihrer Gottes und Jesu Christi sind, die sind mit dem Bischof, und so viel ihrer bußfertig zur Einigkeit der Kirche herzukommen, auch die werden Gottes sein, um hinfort gemäß Jesu Christo zu leben. Irret euch nicht, meine Brüder: wenn einer dem folgt, welcher Spaltungen anrichtet, der erbt das Reich Gottes nicht; wenn einer in fremder Lehre wandelt, der entzieht dem Leiden (des Herrn) seine gläubige Zustimmung.“

Derselbe: „Ich wappne euch gegen die Thiere in menschlicher Larve, welche ihr nicht allein nicht aufnehmen, sondern denen ihr auch, so es möglich ist, nicht begegnen, für die ihr aber nur bitten sollt, ob sie Buße thun möchten. … Vom heiligen Abendmahl und (gemeinschaftlichen) Gebete enthalten sie sich, darum, weil sie nicht bekennen, daß das hl. Abendmahl das Fleisch unseres Heilandes Jesu Christi sei, welches für unsere Sünden gelitten hat und das der Vater durch seine Güte auferwecket hat. Welche nun dieser Gabe Gottes widersprechen, gehen in ihren Streitigkeiten zu Grunde. Es würde ihnen aber dienlicher sein, zu lieben, damit sie auch auferstünden. Es gebührt (uns) daher, von solchen uns zu enthalten, und weder sonderlich von ihnen zu reden, noch öffentlich; vielmehr aufzumerken auf die Propheten, vorzüglich aber auf das Evangelium, darin das Leiden (Christi) uns in deutlicher Anschauung und die Auferstehung in vollendeter Darstellung vorliegt. Die Spaltungen aber fliehet, als den Anfang aller Uebel!“

Irenäus: „Sowohl die Apostel, als die Apostelschüler wendeten eine so große Vorsicht an, daß sie sich mit einem von denjenigen, welche die Wahrheit betrüglich durch ihre Erdichtungen zu verfälschen suchten, selbst in kein Gespräch einlassen wollten.“

Cyprianus: „Wir müssen von ihnen (den Ketzern) so abgesondert sein, wie sie von der Kirche flüchtig geworden sind.“

Ambrosius: „Wenn eine Kirche den Glauben verschmäht und nicht den Grund der apostolischen Predigt besitzt, so ist sie, damit sie uns nicht den Schandflecken der Treulosigkeit anhängen könne, zu verlassen; was auch der Apostel unverkennbar fordert, wenn er sagt: ‚Einen ketzerischen Menschen sollst du meiden, so er einmal oder zweimal ermahnt ist‘.“

Augustinus: „Alle, welche von der Kirche ausgehen und von der Einigkeit der Kirche abgeschnitten werden, sind Antichristen; niemand zweifelt daran; denn er selbst (der Apostel) hat sie so bezeichnet: ‚Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn so sie von uns gewesen wären, so wären sie auch bei uns geblieben.‘ Alle welche daher nicht bei uns bleiben, sondern von uns ausgehen, gehören offenbar dem Antichrist an. … Entweder sind wir Antichristen oder sie sind Antichristen. Sie nennen uns Antichristen und sagen, daß wir von ihnen ausgegangen sind; wir sagen dies von ihnen gleicher Weise. Aber diese Epistel (Johannis) hat die Antichristen bezeichnet. Jeder, der da leugnet, daß Jesus sei der Christ, der ist ein Antichrist. Laßt uns daher nun fragen, wer dies leugne, und dabei nicht auf die Zunge, sondern auf die Thaten sehen. Denn sofern alle gefragt werden, so bekennen alle mit einer Stimme, daß Jesus der Christ sei. Schweige jetzt ein wenig die Zunge, frage das Leben. Wenn wir dieses finden, wenn die Schrift selbst uns sagt, daß das Leugnen nicht nur mit der Zunge, sondern auch durch Thaten geschieht, so werden wir wohl viele Antichristen finden, welche mit dem Munde Christum bekennen, und mit ihren Sitten von Christo abgehen. Wo finden wir das in der Schrift? Höre Paulus den Apostel; als derselbe von solchen redete, sprach er: ‚denn sie bekennen, daß sie Gott kennen, aber mit den Werken verleugnen sie ihn.‘ Da haben wir wer ein Antichrist ist: wer Christum mit den Werken verleugnet, ist ein Antichrist. Ich höre nicht darauf, wie es klingt, sondern ich sehe darauf, wie man lebet. Die Werke reden, und wir fordern Worte? Denn welcher Böse will nicht gut reden? Aber was sagt der Herr von solchen? ‚Ihr Heuchler, wie könnet ihr Gutes reden, da ihr böse seid?‘ Eure Stimmen bringt ihr zu meinen Ohren: ich schaue auf eure Gedanken. Da sehe ich einen bösen Willen, und ihr zeiget falsche Früchte. … Der ist ein doppelt lügenhafter Antichrist, welcher mit dem Munde bekennt, daß Jesus der Christ sei, und mit seinen Werken es leugnet. Darum ist er ein Lügner, weil er anders redet, anders handelt. Darum, wenn nun, meine Brüder, die Werke gefragt werden müssen, so finden wir nicht allein, daß viele Antichristen hinaus gegangen sind, sondern auch viele noch nicht so offenbare, daß sie schon hinaus gegangen wären. Denn so viel die Kirche Meineidige, Betrüger, Uebelthäter etc. hat und alles, was wir nicht hererzählen können, ist der Lehre Christi, ist dem Worte Gottes entgegen; das Wort Gottes aber ist Christus. Alles was dem Worte Gottes entgegen ist, ist im Antichrist. Denn der Antichrist ist Christo entgegen. Und wollt ihr wissen, welche diesem Christus offenbar widerstehen? Wenn es einmal geschieht, daß sie etwas Böses thun und man sie zu strafen beginnt, so lästern sie, weil sie Christum nicht zu lästern wagen, seine Diener, von denen sie gestraft werden. Wenn man ihnen aber zeigt, daß man Christi Worte sage, nicht die seinigen, so versuchen sie so lange sie können, dich zu überweisen, daß du deine Worte redest, nicht Christi Worte. Wenn es aber offenbar geworden ist, daß du Christi Wort sagst, so setzen sie sich auch wider Christum, und fangen an Christum zu tadeln.“

Die zitierten Kirchenlehrer

Martin Chemnitz: Superintendent zu Braunschweig, geb. 1522 zu Treuenbrietzen (Provinz Brandenburg), gest. 1586

Johann Gerhard: Professor der Theologie in Jena, geb. 1582 in Quedlinburg (Provinz Sachsen), gest. 1637

Friedrich Balduin: Professor der Theologie zu Wittenberg, geb 1575 zu Dresden, gest. 1627

Ignatius, Bischof von Antiochien: (der 4. der sog. „Apostolischen Väter“), gest. 115 als Märtyrer – von den Löwen im Colosseum zu Rom zerissen

Irenäus, Bischof der Kirche von Lugdunum und Vienna, mit einer kleinasiatischen Kolonie nach Gallien gekommen, gest. 202 als Märtyrer

Cyprian, Bischof von Karthago in Afrika: (vorher heidnischer Lehrer der Rhetorik am selben Ort), 245 zu Christus bekehrt, gest. nach erduldetem Exil als Märtyrer 258

Ambrosius, Bischof zu Mailand:, gest. 397

Augustinus, Bischof von Hippo in Afrika, gest. 430