Die Heilige Schrift

kann dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus

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Was ist ein „Missourier“?

Was ist ein „Missourier“?

 

D. Franz Pieper (1852-1931) antwortet:

»Die kirchliche Gemeinschaft, welcher wir angehören, hat in der ganzen Welt den Namen „Missouri“ bekommen, und wir müssen uns, wohl oder übel; diese Benennung gefallen lassen. Fragen wir daher: Was ist eigentlich ein Missourier? Nicht alle Definitionen, welche über Missouri im Umlauf sind, sind ganz zutreffend. So sagt man zum Beispiel:

Ein Missourier ist ein Mensch, welcher mit allen Kirchengemeinschaften, die nicht mit ihm im Glauben übereinstimmen, in fortwährender Fehde lebt.

Ein Missourier hält den Papst für den Antichrist. Mit den reformierten Sekten will er keine Kirchengemeinschaft halten und er erkennt auch nicht alle Gemeinschaften, welche sich lutherisch nennen, als echt lutherisch an. Was sollen wir zu dieser Beschreibung eines Missouriers sagen? Wir sagen: Sie ist ganz äußerlich und darum durchaus nicht zutreffend.

Was ist ein Missourier? Ein Missourier ist ein Christ, dem das Evangelium von Christo, die reine Lehre von der Rechtfertigung, Ein und Alles ist. Ein missourischer Prediger will nicht vornehmlich Irrlehre bekämpfen, sondern er will vor allen Dingen die Lehre von der Rechtfertigung an den Mann bringen. Er hält dafür, daß er zur Verkündigung dieser Lehre von Gott und von der Kirche eigentlich berufen sei. Freilich, ein Missourier ist auch ein eifriger Polemiker, aber nicht aus Liebe zum Kampf, als ob der Kampf selbst ihm behage, sondern vornehmlich aus einem doppelten Grund:

Erstens, weil er weiß, daß der Herr Christus von den Seinen haben will, daß sie in allen Stücken bei der geoffenbarten Lehre bleiben, dass sie allen Irrtum, wo er ihnen entgegentritt, bekämpfen und den Irrtum auch tatsächlich meiden, und sodann, weil er erkennt, daß schließlich jeder Irrtum die Zentrallehre des Christentums, die Lehre von der freien Gnade, die Lehre von der Rechtfertigung schädigt.

Wer aus fleischlichem Eifer gegen Irrlehre kämpft,wer Gefallen hat an dem Streit an sich, der ist nicht ein rechter Missourier. Ein Missourier ist vor allen Dingen ein Gnadenprediger. Er bezeugt von der Gnade erstlich, daß sie eine allgemeine sei, das heißt, auf alle Menschen ohne Ausnahme sich erstrecke. Zum andern bezeugt er, daß die Gnade eine freie sei, das heißt, nicht auf irgend eine Würdigkeit im Menschen sich gründe, sondern allein auf Christi Verdienst.

Ein rechter Missourier will auch alles in der Kirche ausrichten durch die Predigt des Evangeliums, durch die Predigt der Lehre von der Rechtfertigung. Er weiß, dadurch allein kann er den Zweck erreichen, zu welchem er gesetzt ist, nämlich, Menschen zum Glauben zu bringen und im Glauben zu erhalten.«

Prof. Franz Pieper aus „Vorträge“ (Die lutherische Lehre von der Rechtfertigung)

 

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten 800 aus Sachsen ausgewanderte Lutheraner in Nordamerika die Evangelisch-Lutherische Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten gegründet. Wenig Jahre später gab es auch in Deutschland mehrere freie lutherische Gemeinden, die sich später zur Evangelisch-Lutherischen Freikirche zusammenschlossen. Um ihrer engen Glaubensgemeinschaft zur Missourisynode in Amerika willen wurden auch sie „Missourier“ genannt.

Auch unsere Immanuel-Gemeinde in Steeden läßt sich diese Bezeichnung gern gefallen – weiß sie sich doch um des lutherischen Bekenntnisses der Väter der Missouriesynode auf das engste mit ihnen verbunden. Auch heute noch sind die Bücher der Professoren C.F.W. Walther, Franz Pieper u.v.a.m. eine wertvolle Fundgrube, denn ihr Glauben, Lehren und Bekennen sind geschöpft aus der unvergänglichen Wahrheit des Wortes Gottes.

Aus eben diesem Grund halten wir an der biblischen Lehre der lutherischen Kirche fest: Das Evangelium von Jesus Christus ist so wertvoll und kostbar, daß wir keiner noch so klein scheinenden Abweichung vom Bekenntnis des ganzen Wortes Gottes folgen können. Kein Stück der lutherischen Lehre ist losgelöst von der Einheit des Ganzen, keine noch so nebensächlich anmutende Aussage der Heiligen Schrift ist so gering, daß sie ohne Schaden der ganzen Lehre beiseite gelegt oder verändert werden könnte, und ohne daß schließlich auch eine nächste und übernächste fällt – bis die Zerstörung selbst die wunderbarste aller göttlichen Lehren angreift, die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders aus Gottes Gnade durch den Glauben an Jesus Christus!

Wird Gottes Wort, Gottes Wille, Gottes Handeln auch nur in einem Stück unter das Urteil der in Sünde gefallenen Vernunft gestellt, muß es den Schein seiner göttlichen Klarheit verlieren. Denn die Vernunft stellt sich gegen Gottes Weisheit, wie auch der gesamte natürliche, nicht wiedergeborene Mensch noch unter dem Bann der Feindschaft zu Gott steht: Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich gerichtet sein. (1.Kor. 2,14).

Durch die Kraft Gottes des Heiligen Geistes allein wird ein durch den Glauben an Christus gerechtfertigter Mensch geistlich stark genug, seine Vernunft gefangenzunehmen unter Gottes irrtumsloses Wort. Dann wird ihm dieses Wort auch fest und gewiß bleiben, wenn falsche Lehre ihn bestürmt und Kleinglaube und Anfechtungen ihn in Trübsal stürzen. Jedes Wort, jeder Vers der Heiligen Schrift wird ihm auch in Not und Tod der Anker seines Glaubens bleiben und der Fels, an dem die Macht des Satans zerbrechen muß. Aller Kampf um die Bewahrung der reinen biblischen, lutherischen Lehre ist ein Kampf um eines einzigen Grundes willen: sich den geraden klaren Weg zur ewigen Seligkeit nicht verwischen zu lassen. m.b.

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