Streit um die Lehre – Trennung

Streit um die rechte Lehre – Spannung aushalten oder sich trennen?
Was gebietet Gottes Wort?

 

Eine Predigt von D. Franz. Pieper

Text: Römer 16,17-18: Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrenuung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen! Denn solche dienen nicht dem HErrn JEsu Christo, sondern ihrem Bauch, und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.

 

Ehrwürdige Väter und Brüder! In Christo herzlich geliebte Zuhörer!

Wenn wir in der äußeren Christenheit Umschau halten, so tritt uns vornehmlich eine überaus betrübende Erscheinung entgegen: ihre Zertrennung. Die sich gleicherweise nach Christi Namen nennen, sind in eine Anzahl Heerlager gespalten, die sich gegenseitig bekämpfen. Dieser Zustand wird von allen Seiten mit Recht als ein Elend beklagt und als ein tiefer Schade für Kirche und Welt bezeichnet. Auch wir stimmen mit voller Überzeugung in diese Klage ein. Aber wir werden veranlaßt, der Sache noch näher zu treten, wenn wir die Beschuldigung hören und lesen, daß gerade auch wir Lutheraner von der Synodalkonferenz durch unsere kirchliche Stellung Trennung anrichten und aufrechterhalten, nämlich dadurch, daß wir das Festhalten an allen Stücken der christlichen Lehre fordern und mit den Anderslehrenden nicht kirchliche Gemeinschaft pflegen. Wir weisen die gegen uns erhobene Beschuldigung als ungerecht zurück und behaupten im Gegenteil mit aller Entschiedenheit, daß wir durch unsere kirchliche Stellung nicht trennend, sondern sammelnd und einigend wirken. Wer entscheidet in diesem Widerstreit der Behauptungen? Gottes Wort. Gottes Wort beantwortet und entscheidet klar alle Fragen, die in der Kirche bis an den Jüngsten Tag zu beantworten und zu entscheiden sind. Dies ist auch der Fall in bezug auf die Trennung innerhalb der christlichen Kirche. Die ganze Schrift ist voll von Belehrung über diesen Punkt. In dem verlesenen Text haben wir

Des Apostels Paulus Unterricht über die Trennung in der christlichen Kirche.

Wir heben aus diesem Unterricht sonderlich drei Punkte hervor: wie die Trennung entsteht, wie sie zu beurteilen ist und wie sie beseitigt wird.

1.

Zuvorab entnehmen wir unserm Text etwas zum Trost. Unser Text erinnert uns nämlich an die Tatsache, daß Trennung in der christlichen Kirche nichts Neues ist. Wenn wir zu unserer Zeit über Trennung klagen und unter Trennung zu leiden haben, so sollen wir nicht meinen, daß uns etwas Seltsames widerführe. Das Elend der Trennung fand sich auch in der apostolischen Kirche und unter den Augen der Apostel. Das geht gerade auch aus unserm Text hervor. Wenn der Apostel nach ausführlicher Darlegung der christlichen Lehre schließlich noch die römische Gemeinde so dringend ermahnt, ein Augenmerk auf die Leute zu haben, die Zertrennung anrichten, und Anweisung gibt, solche Leute zu isolieren, so bekämpft er nicht einen Strohmann, sondern wirklich vorhandene Gefahren und an andern Orten bereits eingetretene Tatsachen.

Vor allen Dingen aber unterrichtet uns nun der Apostel über den wichtigen Punkt, wie oder wodurch Trennung in der Kirche entsteht. Er sagt: „Sehet auf auf die, die da Zertrennung anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt“. Trennung wird also dann angerichtet, Trennung entsteht dann, wenn in der christlichen Kirche Leute auftreten, die „daneben“ lehren, das heißt, etwas anderes lehren als Christi Apostel, etwas anderes in der christlichen Kirche reden als Christi Wort und hierfür Anhänger finden. Dies ergibt sich aus der Natur der christlichen Kirche. Die christliche Kirche hier auf Erden ist ein ganz einzigartiges Reich, durchaus verschieden von den Reichen dieser Welt. Die verschiedenen Reiche dieser Welt haben verschiedene Regenten und Gesetze und werden demgemäß verschieden regiert. Die christliche Kirche hier auf Erden ist keines Menschen, sondern Christi Reich und hat in allen Ländern und zu allen Zeiten bis an den Jüngsten Tag nur einen Regenten, Christus, und nur ein Reichsgesetz, durch das sie gelehrt und also regiert wird: das ist Christi Wort, das Wort, das er durch seine Apostel und Propheten der Kirche gegeben hat. In der christlichen Kirche ist kein Platz für ein Nebenwort und eine Nebenregierung. Christus sagt in bezug auf seine Kirche: „Einer ist euer Meister, Christus“, und schärft daher als Reichsgesetz ein: „So ihr bleiben werden an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger“. Und das gilt nicht bloß für die Zeit, da Christus auf Erden wandelte, sondern für die Kirche aller Zeiten und aller Orten bis an den Jüngsten Tag. Im hohepriesterlichen Gebet beschreibt Christus die Kirche bis an den Jüngsten Tag als eine Gemeinschaft von Leuten, die durch ihr – – das heißt, der Apostel – – Wort an ihn glauben werden, Johann 17,20. St Paulus bezeichnet die Kirche als ein Haus, das erbauet ist auf den Grund der Apostel und Propheten, Eph 2,20, und sagt von seiner eigenen Lehrtätigkeit: „Ich dürfte nicht etwas reden, wo dasselbige Christus nicht durch mich wirkte“, Römer 15,18. St. Petrus stellt für allesLehren in der christlichen Kirche den Grundsatz auf: „So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort“, 1 Petr 4,11. Die Einigkeit der christlichen Kirche bei aller Verschiedenheit der Verhältnisse, Zeiten, Völker und Zungen besteht in ihrem Festhalten an dem Wort Christi und ihre Zertrennung in der Abweichung von diesem Wort. Um diese Einigkeit zu erhalten und der Trennung zu wehren, sendet daher der Apostel Paulus, wo immer er sich befand, an die Gemeinden und an ihre Lehrer die Botschaft und Mahnung, ja nicht „anders zu lehren“, sondern unverrückt festzuhalten an dem Vorbild der heilsamen Worte, die sie von den Aposteln Christi gelernt haben. Von Athen schreibt er nach Thessalonich: „Haltet an den Satzungen, die ihr gelehret seid, es sei durch unser Wort oder Epistel“, 2 Thess 2,15. Timotheus ließ er zu Ephesus, um etlichen zu gebieten, daß sie „nicht anders lehreten“, 1 Tim 1,3. Von Korinth schreibt er nach Rom: „Weichet von denen, die anders lehren“! Römer 16,17. Von Rom schreibt er nach Galatien und straft die Galater, daß sie sich haben abwenden lassen auf ein ander Evangelium, so doch kein anderes ist, Gal 1,6 ff. . Und als er von Europa nach Jerusalem zurückreist, beruft er die Ältesten der Gemeinde von Ephesus nach Milet und warnt sie vor Leuten, die aus der eigenen Mitte sich erheben und verkehrte Lehren reden würden, die Jünger an sich zu ziehen, Apost 20,29 f.

Hieraus erhellt nun ganz klar, auf wen, wenn die Lehre in Betracht kommt, die Schuld der Trennung in der christlichen Kirche fällt, nämlich nicht auf diejenigen, welche an der Lehre der Apostel unverrücklich festhalten, sondern stets auf die, die davon abweichen und anders lehren. Wir Lutheraner von der Synodalkonferenz sind nun dessen gewiß und haben es vor der Kirche bewiesen, daß unsere Lehre, sonderlich auch in den in Streit gezogenen Punkten, nicht eigenes Wort, sondern Gottes Wort ist. Wir konnten und können in allen Punkten den Finger auf Gottes Wort legen und sagen: „So steht geschrieben“. Es ist eine völlige Umkehrung des biblischen Sprachgebrauchs, wenn man behauptet, daß wir durch unser Dringen auf die reine, unverfälschte Lehre des Wortes Gottes Trennung in der Kirche anrichten und aufrechterhalten. Man beansprucht sonderlich zu unserer Zeit „Lehrfreiheit“. Lehrfreiheit gibt es im Staat, weit es nicht Sache des Staates ist, die christliche Kirche zu lehren und zu regieren. Es gibt aber keine Lehrfreiheit in der christlichen Kirche, weil in der christlichen Kirche nach Gottes Befehl und Ordnung jeder, der lehrend auftritt, Gottes Wort reden soll. Wer in der christlichen Kirche Lehrfreiheit für sich in Anspruch nimmt, beansprucht damit das Recht, Trennung in der christlichen Kirche anzurichten und sich neben Christo und wider Christum zu einem Haupt und Regenten in der Kirche aufzuwerfen.

Doch damit sind wir schon zu dem zweiten Punkt gekommen, über den wir uns von dem Apostel Paulus belehren lassen wollten, nämlich, wie die Trennung zu beurteilen sei.

2.

Man ist zu unserer Zeit in der Beurteilung der Trennung in der christlichen Kirche nicht frei von Selbstwiderspruch. Einerseits beklagt man die Trennung und hebt – – mit Recht – – hervor, wieviel mehr die christliche Kirche ausrichten könnte, wenn sie nicht zertrennt, sondern auch äußerlich völlig geeint wäre. Andererseits redet man aber auch vielfach so, als ob die Trennung nicht viel zu bedeuten habe, ja wohl gar etwas Gutes und von Gott beabsichtigt sei. Jede Kirchengemeinschaft habe ihre besonderen Gaben und Vorzüge. Das ist verkehrtes, menschliches Urteil. Des Apostels Urteil lautet anders. Er sagt: „Sehet auf auf die, die Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt“. Er nennt die Zertrennung nicht etwas Gutes oder auch nur Gleichgültiges, sondern ein Ärgernis. Schon die bloße Tatsache der Trennung ist ein Ärgernis für die Welt und für schwache Christen. Die Welt entschuldigt damit ihren Unglauben, und schwache Christen werden im Glauben irre. Noch mehr springt das Ärgernis in die Augen, wenn wir hinzunehmen, daß die Zertrennung durch Abweichung von der Lehre Christi entstanden ist. Andere Lehre führen als Christi Wort, ist ein Schlag in das Angesicht Christi, der allein durch sein Wort die Kirche lehren und regieren will. Andere Lehre führen als Christi Wort, ist auch ein Schlag in das Angesicht der Christen, deren Christenwürde und Christenherrlichkeit darin besteht, daß sie nicht Menschenwort unterworfen, sondern allein Christi Wort untertan sind. Und endlich auch: Andere Lehre führen als Christi Wort, kann immer nur zum Schaden der Seelen geschehen. Es handelt sich dabei um Tod und Leben. Menschenwort, wenn auch noch so gut gemeint, kann nie eine in Sünden tote Menschheit retten. Das kann allein Gottes Wort. Alles Menschenwort ist in der christlichen Kirche wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras verdorrt und die Blume fällt ab, wenn die Menschen sich auch einbilden, daß sie mit ihrer „Auffassung“ oder „Fortbildung“ oder „Ergänzung“ der christlichen Lehre die ganze Welt zum Licht führen könnten. Nur Gottes Gesetz, sofern es ohne Abschwächung und menschlichen Zusatz gelehrt wird, macht den Menschen zu einem wahrhaft armen Sünder. Nur Gottes Evangelium, sofern es ohne Einmischung von dies Gesetzes Werken verkündigt wird, erzeugt den Glauben an Christum, gibt das höchste Gut hier auf Erden, die Gewißheit der Gnade und Seligkeit, und gibt Kraft und Lust, den schmalen Weg zum ewigen Leben zu wandeln. Jede Änderung des Evangeliums durch Beimischung von Menschenwerken, ob man sie geradezu Verdienst oder nur richtiges Verhalten nennt, ist Gift und Tod für das geistliche Leben, stellt sich als ein Hindernis, als eine Falle, als ein Ärgernis zwischen die Menschen und die ihnen von Christo erworbene Gnade und Seligkeit. Daher der Eifer des Apostels, daß er über alle, die das Evangelium Christi anders lehren, als er es gelehrt hat, den Fluch ausspricht, Gal 1,8.

Doch, gibt es denn in den Kirchengemeinschaften, die nicht in allen Stücken bei der Apostel Wort bleiben, gar keine Christen? Verdammen wir alle, sprechen wir allen die Seligkeit ab, die in irgendeinem Stück von Gottes Wort abweichen? Dieses Urteil schreibt man uns zu, aber mit Unrecht. Wir wissen aus Gottes Wort: es gibt in gewissen Lehren ein Irren aus schwachheit, wobei das Christentum bestehen kann, wenn der Mensch in seinem Herzen ein armer Sünder ist und allein auf Christum als seinen Heiland vertraut. So machen viele äußerlich Trennung mit, bleiben aber dabei mit ihrem Herzen an Christo hangen. Wir denken an die Zweihundert, die, von Jerusalem berufen, mit Absalom gingen und nichts um die böse Sache wußten, 2 Sam 15,11. Auf diese Tatsache weist auch der Apostel in unserm Text, wenn er von „unschuldigen Herzen“ redet, die „durch süße Worte und prächtige Rede“ derer, die Trennung ein Ärgernis. Gott will keine andere Lehre in der Kirche haben als sein Wort, und die Gemeinschaft mit Anderslehrenden ist von Gott verbotene schlechte Gesellschaft und eine stete Gefahr für die Seelen.

3.

Wer gibt uns ein Mittel an die Hand, ein durchgreifendes Mittel, die Trennung zu beseitigen? Wer zeigt uns den Weg, wie diesem Ärgernis der Trennung in der Christenheit gewehrt wird? Der Apostel gibt das Mittel an. Das Mittel ist ein ebenso einfaches als gründlich wirkendes. Er sagt: „Sehet auf auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen“! Wenn in der christlichen Kirche Leute auftreten, die etwas anderes als Christi Wort lehren und sich nicht weisen lassen, so sollen die Christen sich nicht zu solchen Leuten halten, sondern sie isolieren, mit ihnen nicht Gemeinschaft machen, sondern von ihnen weichen. Diese von Gott vorgeschriebene Weise wirkt. Hätten die Christen von allem Anfang an und zu jeder Zeit diese einfache und klare göttliche Weisung befolgt, so gäbe es keine Trennung in der Christenheit, sondern die ganze Christenheit wäre vollkommen einig. Wo keine Käufer sind, da ist auch kein Markt. Die arianische Spaltung im vierten Jahrhundert wäre nicht entstanden, wenn die Christen jener Zeit der göttlichen Weisung gemäß von Arius, der die ewige Gottheit Christi leugnete, gewichen wären, anstatt ihm anzuhangen. Das Ärgernis zu Rom wäre nicht aufgekommen und hätte sich nicht über die ganze Welt verbreitet, wenn die Christen den Papst, der unter Christi Namen mit eigenem Wort eigene Herrschaft in der Kirche sich anmaßte, als einen Greuel gemieden und ihm den rechten Titel gegeben hätten, anstatt ihn „Heiliger Vater“ zu nennen. Die Spaltung zur Zeit der Reformation wäre nicht eingetreten, wenn die Christen von Zwingli und dessen Anhängern, die nicht bei den Worten unsers HErrn JEsu Christi vom Abendmahl und von der Taufe blieben, gewichen wären. Es gäbe keine Spaltung in der amerikanisch-lutherischen Kirche, wenn die Christen sich von den Leuten ferngehalten hätten, die eigenes Wort führen von der christlichen Kirche und dem Predigtamt, von der Bekehrung und der gnädigen Erwählung. Kurz, Meidung derer, die anders lehren als Christi Apostel, das ist das von Gott vorgeschriebene einfache und sicher wirkende Mittel, die Trennung in der Christenheit zu beseitigen. Nach Gottes Wort treten Anderslehrende in der christlichen Kirche unter Gottes Zulassung nicht dazu auf, daß man sich zu ihnen halte, sondern zu dem Zweck, daß man sie meide. Wie der Apostel ausdrücklich einschärft: „Es müssen Rotten unter euch sein, auf daß die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden“, 1 Kor 11,19. Diese Lektion müssen die Christen immerfort aus Gottes Wort lernen. Aber statt diese von Gott vorgeschriebene einfache und wirkungsvolle Weise zu befolgen, versucht man menschlich erfundene Weisen, die aus übel nur Arger machen. Namentlich versucht man die Weise, daß man es einander erläßt, in allen Lehren bei Gottes Wort zu bleiben. Man nennt das Einigkeit, was nach Gottes Wort Trennung ist!

Gegen die in Gottes Wort vorgeschriebene Behandlung der Anderslehrenden macht man mehrere Einwendungen. Man sagt: Die Leute, welche nicht in allen Stücken bei Gottes Wort bleiben, sondern anders lehren, sind doch oft gelehrte, wissenschaftlich gebildete Leute, denen man auch redliche Absichten nicht absprechen kann. Vor den Kenntnissen und dem Ernst und guten Willen dieser Leute muß man doch Respekt haben. Respekt vor den Anderslehrenden – – das ist recht eigentlich die Signatur unserer Zeit. Dieses ganze Urteil ist wider Gottes Wort. Vergeblich suchen wir in der Heiligen Schrift nach Respekt vor Anderslehrenden. Was ihre Wissenschaft und Kenntnisse anlangt, so sagt der Apostel: „So jemand anders lehret und bleibet nicht bei den Worten unsers HErrn JEsu Christi, der ist verdüstert und weiß nichts“, 1 Tim 6,3. Ein solcher gibt ein Wissen von göttlichen Dingen vor, das er gar nicht hat, und hält in Selbstbetrug seine Ignoranz für Wissenschaft. Und was die edlen Motive betrifft, so sagt der Apostel in unserm Text von den Anderslehrenden: „Solche dienen nicht dem HErrn JEsu Christo, sondern ihrem Bauch“. Damit ist nicht gesagt, daß sie in allen Fällen grobe Schwelger sind und in groben Sünden des Geizes und des Fleisches leben. Aber wohl ist damit gesagt, daß sie in allen Fällen nicht Christum, sondern sich selbst meinen, nicht Christi Wort, sondern ihre eigene Meinung vortragen wollen, nicht die christliche Kirche, sondern ihren eigenen Ruhm oder ihre eigene Partei im Sinne haben. Der HErr sagt: „Wer von ihm selbst redet, der suchet seine eigene Ehre“, Johann 7,16. Das ist ein gewaltiges Wort, das wir alle wohl beherzigen sollen! Nur insofern jemand nicht eigenes Interesse hat, sondern allein Christum und sein Wort meint, ist er auch wahrhaftig und keine Ungerechtigkeit bei ihm,das heißt, redet er auch Gottes und nicht eigenes Wort.

Aber ist die Meidung aller Anderslehrenden nicht ein unerreichbarer, idealer Zustand? So urteilen Menschen, anders der Apostel. Der Apostel redet nicht von einem unerreichbaren, in der Lust schwebenden und in der Lust bleibenden Ideal, sondern von durchführbarer und durchzuführender Praxis, wenn er die Christen ermahnt: „Sehet auf auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen„! – – Doch man ruft aus: Wie können die Christen – – die einfähtigen Christen – – die Anderslehrenden sicher erkennen und zwischen Wahrheit und Irrtum unterscheiden? Gerade die einfältigen Christen können das. Ihr Heiland, der sie an seiner Rede bleiben heißt, hat ihnen auch das Mittel dazu in die Hand gegeben. Die Heilige Schrift, das Wort der Propheten und Apostel, ist für die Christen nicht eine Sammlung von Rätseln, sondern ihres Fußes Leuchte und ein Licht auf ihrem Wege. Die Christen können nur dann in ihren Gedanken, in ihren Reden und in ihrem Urteil irren, wenn sie das Licht des Wortes Gottes unter den Scheffel stellen. Wenn sie ihr Licht und Recht gebrauchen, wenn sie ihres HErrn Rede hören und glauben, so erkennen sie die Wahrheit, und die Wahrheit macht sie frei von aller Knechtschaft der Menschenlehre. Der HErr sagt ausdrücklich, daß seine Schafe ihres Hirten Stimme erkennen. Des Fremden Stimme aber kennen sie nicht, sondern fliehen vor ihm, Johann 10,3-5. Erinnern wir einander nur, daß wir das Wort Christi unter uns reichlich wohnen lassen, dann macht es auch die Albernen weise.

Man wirft endlich noch ein: Aber der Erfolg! Der Erfolg, auf diese Weise die Trennung aufzuheben, ist doch ein sehr zweifelhafter. Man muß an dem Erfolg verzweifeln, wenn man auf die Vergangenheit sieht und in der Gegenwart Umschau hält. Der Erfolg, teure Väter und Brüder, ist nicht unsere, sondern Gottes Sache, der uns diese Weise, Einigkeit zu schaffen und Trennung zu beseitigen, vorgeschrieben hat. Übrigens dürfen wir uns auch über den Erfolg nicht beklagen. Die Synodalkonferenz hat nicht trennend, sondern sammelnd gewirkt. Sie ist trotz Abfalls von ihr stetig gewachsen, und sie ist noch immer die zahlreichste lutherische Kirchengemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Man hat uns von allem Anfang an den Untergang geweissagt. In den letzten Monaten hat man diese Weissagung wiederholt. Sie wird nicht wahr werden. Um zweierlei vornehmlich wollen wir Gott bitten. Erstlich um Demut. Es ist nicht unser Verdienst, sondern allein Gottes Gnade, daß wir nicht anders lehren, sondern Gottes Wort bekennen. Diese Demut soll auch in allem, was wir reden und schreiben, bemerkbar sein. Ob wir wohl das Fleisch an uns haben, so sollen wir doch nicht fleischlicherweise streiten. Wir wollen auch nicht jeden, der gelegentlich irregeht, sofort als falschen Lehrer behandeln, Wunder ist es nicht, führt Luther aus, daß jemand in diesen hohen Dingen, die uns von Natur so fremd sind, zuweilen eigene Gedanken hat und etwa in den Worten fehlt. Luther bekennt das von sich selbst, und wir werden mit demselben Bekenntnis nicht zurückhalten. Aber wir sollen den eigenen Gedanken nicht nachgeben, sondern alsbald wieder zu Gottes Wort greifen und dadurch allen eigenen Gedanken und aller verkehrten Rede wehren. Dazu sollen wir in Demut einander helfen. Zum andern wollen wir Gott um Gnade bitten, daß wir, wie in herzlicher Demut, so auch mit Klarheit und Entschiedenheit die Lehre der Apostel und Propheten bezeugen und die fremde Lehre aufdecken und abweisen. So streben wir in der rechten Weise nach der Einigkeit der christlichen Kirche und nach der Beseitigung der schädlichen Trennung. Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, hochgelobt in Ewigkeit! Amen.