lutheraner-steeden.de Bibel und Auslegung Ist das hier ein Wort Gottes?

Ist das hier ein Wort Gottes?

Den anderen aber sage ich, nicht der Herr …“ (1.Kor. 7,12)

Ist das kein Wort Gottes, obwohl es doch in der Bibel steht?

Heißt diese Redewendung, dass Paulus hier nicht redet, „mit Worten, die der Heilige Geist lehrt“ (1.Kor. 2,13)? Nein! Der Apostel gehört ja mit den Schreibern des Alten Testamentes und den Evangelisten in allem, was er durch Betreiben des Heiligen Geistes niedergeschrieben hat, zu den „heiligen Menschen Gottes, die geredet haben, getrieben vom Heiligen Geist“ (2.Pt. 1,21). Von seinen Jüngern und Aposteln sagt der HErr Christus: „Wer euch hört, der hört mich“ (Luk. 10,16).

Wie aber sollen wir die Worte des Paulus verstehen? Paulus kann sich hier nicht direkt auf ein ganz bestimmtes Wort Jesu beziehen. In dem, was er 1.Kor. 7,10 sagt, konnte er das (vgl. Matth. 5,31.32; Matth. 19,3-9; Mark. 10, 2-12). Hier verweist er ausdrücklich darauf, dass nicht der Herr Christus zu diesem Problem (Missionssituation: nur ein Teil, Mann oder Frau, wird Christ) Stellung genommen hat. Paulus aber, als sein Apostel, erteilt hier den Ratschlag als Bevollmächtigter des Herrn. Sein Wort gilt eben so wie das Jesu (vgl. Gal. 1,1.12 und 1.Thess. 2,13).

Herauslesen zu wollen, dass das Wort des Apostels Paulus im Gegensatz zu Jesu Wort stehe, wäre nicht nur unsinnig, sondern gegen Jesu ausdrückliches Wort „Wer euch hört, der hört mich“ (Luk. 10,16). Dann würde man in eben die Schwierigkeiten geraten, die manche den Korinthern machten: Sie wurden von anderen verwirrt, die behaupteten, Paulus wäre gar kein richtiger Apostel (vgl. 1.Kor. 9,2; 2.Kor. 10, ges.Kap.). Dem stellt Paulus gegenüber: 1.Kor. 4,1-16 und verschärft dies nun alles mit den Worten: „Den anderen aber sage ich, nicht der Herr: …“, d.h.: Wer unter euch rechtschaffen ist und mein Apostelamt anerkennt, der wird gerade auch dieses Wort annehmen, obwohl der Herr Christus zu dieser Sache keine Stellung genommen hat und wir deswegen auch nichts davon in den Evangelien finden. Der Apostel Paulus betont jedoch, dass er aus dem Heiligen Geist redet (1.Kor.7,40), dass er Christi Sinn hat (1.Kor. 2,16) und dass er die Gottesworte schreibt (1.Kor. 14,37).

Merke:

Wenn der Apostel sich nicht auf einen von Christus ausgesprochenen Satz bezieht, schreibt er:„Den andern aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und es gefällt ihr, bei ihm zu wohnen, so soll er sich nicht von ihr scheiden.“ (1Kor 7,12).

Wenn er sich auf einen von Christus ausgesprochenen Satz beruft, heißt es: „Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondernder Herr, daß die Frau sich nicht von ihrem Manne scheiden soll.“ (1Kor 7,10).

Was aber dann, wenn wir lesen: „Über die Jungfrauen habe ich kein Gebot des Herrn; ich sage aber meine Meinung als einer, der durch die Barmherzigkeit des Herrn Vertrauen verdient.“ (1Kor 7,25)? Haben wir eine solche Aussage dann so zu beurteilen, als würde sie ein x-beliebiger Christ von sich geben? Nein, denn hier gibt Gott durch Paulus einen gutgemeinten Ratschlag, auf eine spezielle Anfrage „um der gegenwärtigen Not“ (Christenverfolgung oder ähnliches) willen“ (Vers 26). Das ist dann ein Ratschlag, den man in besonderen Lebensumständen befolgen kann.

Hat das Wort eines Apostels immer nur dann Bedeutung, wenn er sich ausdrücklich auf ein Wort, eine Anordnung oder einen Befehl des Herrn Christus berufen kann? Wohl kaum! Christi Wort: „Wer euch hört, der hört mich…“ (Luk 10,16) gilt.

Pfr. Martin Blechschmidt