lutheraner-steeden.de Kirche und Gemeinde,Persönliches Glaubensleben Gott will, dass du prüfst, was dir gepredigt wird!

Gott will, dass du prüfst, was dir gepredigt wird!



Aus C.F.W. Walther, Die rechte Gestalt einer vom Staate unabhängigen Evangelisch-Lutherischen Ortsgemeinde, St. Louis, Mo. 1864, USA

C.

Dritter Abschnitt.

Von der Ausübung der Pflicht einer Gemeinde, Sorge für die Reinheit der Lehre und des Lebens zu tragen und in beiden Beziehungen an ihren Gliedern Zucht zu üben.

§ 26.

Alle Glieder der Gemeinde haben danach zu trachten, dass sie wachsen und reich werden an aller Lehre und in aller Erkenntnis (2.Petr. 3,18. 1.Kor. 1,5.), damit sie nicht Kinder bleiben und sich wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre (Eph. 4,14, Hebr. 5, 2.), sondern die ihnen gepredigte Lehre nach Gottes Wort prüfen und richten. Apg. 17,11 (Schlachter): “Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift [Schriften des AT], ob es sich so verhalte” Matth. 7,15.16.: “Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.” 1.Joh. 4,1..: “Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeglichen Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind.” 1.Kor. 10,15.. “Als mit den Klugen rede ich, richtet ihr, was ich sage.”

Anm. Hierüber schreibt Luther: “Menschenwort und -lehre haben gesetzt und verordnet, man solle die Lehre zu urteilen nur den Bischöfen und Gelehrten und Konzilien lassen: was dieselbigen beschlössen, soll alle Welt für recht und Artikel des Glaubens halten; wie das genugsam ihr täglich Rühmen über des Pabsts geistlich Recht beweist. Denn man fast nichts von ihnen hört, denn solchen Ruhm, daß bei ihnen die Gewalt und Recht stehe, zu urteilen, was christlich oder ketzerisch sei, und der gemein Christenmann soll auf ihr Urteil warten und sich [an] dasselbe halten. Siehe, dieser Ruhm, damit sie alle Welt eingetrieben haben und ihr höchster Hort und Trotz ist, wie unverschämt und närrisch er stürmt wider Gottes Gesetz und Wort! Denn Christus setzt gleich das Widerspiel [Gegenteil], nimmt den Bischöfen, Gelehrten und Konzilien beide, Recht und Macht, zu urteilen die Lehre, und gibt sie jedermann und allen Christen insgemein [gemeinsam], da er spricht, Joh. 10,4.: Meine Schafe kennen meine Stimme. Item [weiterhin] V.5.: Meine Schafe folgen den Fremden nicht, sondern fliehen vor ihnen; denn sie kennen nicht der Fremden Stimme. Item V. 8.: Wie viel kommen sind, das sind Diebe und Mörder, aber die Schafe hörten sie nicht. Hie siehst du ja klar, wes das Recht ist, zu urteilen die Lehre. Bischöfe, Pabst, Gelehrte und jedermann hat Macht, zu lehren, aber die Schafe sollen urteilen, ob sie Christi Stimme lehren oder der Fremden Stimme. [Mein] Lieber, was mögen hiewieder [hiergegen] sagen die Wasserblasen, die da scharren [schreien]: Concilia, Concilia! Ei, man muss die Gelehrten, die Bischöfe, die Menge hören, man muß den alten Gebrauch und Gewohnheit ansehen!

Meinst du, dass mir Gottes Wort sollte deinem alten Brauch, Gewohnheit, Bischöfen weichen? Nimmermehr! Darum lassen wir Bischöfe und Concilia schließen und setzen, was sie wollen, aber wo wir Gottes Wort vor uns haben, soll es bei uns stehen und nicht bei ihnen, ob es recht oder unrecht sei, und sie sollen uns weichen und unserm Wort gehorchen… Abermals spricht Christus, Matth. 7,15: Hütet euch vor den falschen Propheten,die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

Siehe, hie gibt Christus nicht den Propheten und Lehrern das Urteil, sondern den Schülern oder Schafen. Denn wie könnte man sich vor den falschen Propheten hier hüten, wenn man ihre Lehre nicht sollte in Bedenken nehmen, richten und urtheilen?.. Der dritte Spruch ist St. Pauli [des Apostels Paulus], 1.Thess. 5, 21: Prüfet alles; was gut ist, das behaltet. Siehe, hie will er keine Lehre noch Satz gehalten haben, es werde denn von der Gemeinde, die es hört, geprüft und für gut erkannt. Denn dies Prüfen geht ja nicht die Lehrer an, sondern die Lehrer müssen zuvor sagen, das man prüfen soll; also ist auch hie das Urteil den Lehrern genommen und den Schülern gegeben unter den Christen; dass es unter den Christen ganz und gar ein ander Ding ist, denn [als] mit der Welt. In der Welt gebieten die Herren, was sie wollen, und die Untertanen nehmen es auf. Aber unter euch, spricht Christus, soll es nicht also sein; sondern unter den Christen ist ein jeglicher des andern Richter, und wiederum auch dem andern unterworfen. Wiewohl die geistlichen Tyrannen eine weltllche Obrigkeit aus der Christenheit gemacht haben… Summa [zusammenfassend], was ist es Not [nötig], mehr Sprüche herzuführen? Alle Warnung, die St. Paulus tut, Röm. 16,13.18. 1.Kor. 10,14. Gal. 3,4.5. Kol. 2,8. und allenthalben, item, aller Propheten Sprüche, da sie lehren, Menschenlehre zu meiden, die tun nichts anders, denn [als] dass sie das Recht und Macht, alle Lehrer zu [be-]urteilen, von den Lehrern nehmen und mit ernstlichem Gebot, bei der Seelen Verlust [d.h.daran hängt der Stand der Errettung, die Seligkeit], den Zuhörern auflegen; also dass sie nicht allein Recht und Macht haben, alles, was gepredigt wird, zu urteilen, sondern sind schuldig zu urteilen bei göttlicher Majestät Ungnaden [d.h. tun sie es nicht, sind sie Gott ungehorsam].”

(Quelle: Grund und Ursache aus der Schrift, daß eine christliche Versammlung oder Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu urteilen. Vom Jahre 1523. X, 1797-1800.)

Anderwärts schreibt Luther: “Das siebente und letzte Amt ist Urteilen und Erkennen über alle Lehre. Fürwahr es ist nicht eine schlechte Ursache, darum die Priesterlarven und gefärbten Christen [so nennt er die Diener des Papsttums] dieses Amt zu sich gerissen haben... Hier steht jetzt der Spruch Christi, Matth.23,2.3.: Auf Mosis Stuhl haben sie sich gesetzt, die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles, was sie euch nun sagen, dass ihr halten sollt, das haltet und tut’s; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun.

Mit diesen und andern dergleichen Sprüchen des Evangeliums und ganzer Schrift (dadurch wir ermahnt werden, nicht zu glauben den falschen Lehrern) was lehret uns Christus anderes, denn dass ein jeder für sich selbst seines eigenen Heils und Seligkeit wahrnehmen soll, dass er wisse und gewiss sei, was er glauben und wem er nachfolgen soll? Dass er auch sei ein frei bevollmächtigter Richter aller derer, die ihn lehren wollen, und sei inwendig allein von Gott gelehrt, Joh. 6,45.; denn es wird dich nicht verdammen oder selig machen eines andern Lehre, sie sei falsch oder gerecht, sondern dein Glaube allein; es lehre und predige einer, was er wolle,so musst du zusehen bei deinem höchsten Schaden oder Nutzen, was du glaubst.”

(Quelle: Schreiben an den Rat zu Prag, vom Jahr 1523. X, 1853-55.)