Ein Christ ist niemand dadurch, dass er etwas tut

Ein Christ ist niemand dadurch, dass er etwas tut.
Glaube ist Nehmen. Ein Christ ist einer, der nimmt.

Niemand ist ein Christ, weil er etwas tut, sondern darum, dass er etwas von Christus sich geben lässt und nimmt. Nimmt einer nichts mehr von Christus, so ist er kein Christ mehr. Der Name „Christ“ besteht im Nehmen und nicht im Geben und Tun. Er nimmt von niemandem etwas, nur von Christus.

Wenn du darauf achtest, was du tust, so hast du schon dein Christsein verloren. Ja, man soll gute Werke tun, anderen helfen, beraten, beistehen und geben. Davon ist keiner ein Christ und wird es dadurch auch nicht werden. Einen Christen erkennt man daran, dass er von Christus nimmt und Christus in sich hat… Wenn also einer ein „Christ“ genannt wird, so kommt das nicht von seinen guten Taten her. Es wird auch keiner zum Christen durch gute Werke.

Folglich sind diejenigen, die in der Gemeinde Gebote, Satzungen und Vorschriften lehren und die Betonung auf gute Werke legen, Verführer. Obwohl sie das unter christlichem Schein tun, wollen sie uns nur mit ihren Geboten und Vorschriften beladen und beschweren.

Du kannst durch Werke ein Fastender, ein Wallfahrer usw. genannt werden, aber kein Christ. Wenn du alle guten Werke zusammennimmst, so hast du dadurch Christus nicht und wirst davon auch nicht „Christ“ genannt.

Christus ist etwas anderes und weit höher als das Gesetz (das gute Werke fordert) und als Gebote von Menschen. Er ist Gottes Sohn, der allein bereit ist, zu geben (nicht zu nehmen). Nehme ich von ihm, dann habe ich IHN. Habe ich IHN, so werde ich zu Recht ein Christ genannt. (ml/mb W2, XI, 1837 f).

Aus den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche

In der Apologie heißt es: ”Darum schleußt er (St Paulus) gewißlich aus alles Verdienst und alle Werke nicht allein jüdischer Ceremonien, sondern auch alle anderen guten Werke. Denn so wir durch dieselben Werke fromm würden vor Gott, so würde uns der Glaube nicht gerechnet zur Gerechtigkeit ohne alle Werke, wie doch Paulus klar sagt”. (Concordienbuch S 79). Die Concordienformel bezeugt: ”Also ist ein wahrer, seligmachender Glaube nicht in denen, so ohne Neue und Leid sind und einen bösen Vorsatz haben, in Sünden zu bleiben und zu beharren, sondern wahre Neue gehet vorher, und rechter Glaube ist in oder bei wahrer Buße. Es ist auch die Liebe eine Frucht, so dem wahren Glauben gewißlich nothwendig folget. Aber wenn Paulus spricht: Wir werden durch den Glauben gerecht ohne Werke, zeigt er damit an, daß weder vorhergehende Reue, noch folgende Werke in den Artikel oder Handel der Rechtfertigung des Glaubens gehören”. (Concordienbuch S 419-420).

Hier zeigt sich deutlich, wie die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben ein Artikel voller göttlichem Trost ist. Wir sehen, was der Glaube nicht ist, wie man das nicht verstehen darf, daß der Mensch durch den Glauben gerecht wird. Eben nicht so, daß man dabei an irgendwelches Tun des Menschen denkt. Und diese Erkenntnis an sich ist schon hochtröstlich. Wie übel wären wir daran, wenn wir erst aus unserm Wandel, aus dem Zustand, aus den Gefühlen und Bewegungen unseres Herzens uns davon überzeugen müßten, daß es im Ganzen mit uns richtig steht, ehe wir unserer Rechtfertigung gewiß sein könnten! Dann ruhte unsere Rechtfertigung auf sehr schwankendem Boden. Dann wäre unser Trost dahin. Wenn wir dessen gewiß werden wollen, wie Gott zu uns steht, ob wir einen gnädigen Gott haben, dürfen und sollen wir nicht auf unsere Werke sehen, auch nicht in unser Herz hineinsehen, ob das auch in der rechten Verfassung ist. Gott richtet sich, wenn er uns rechtfertigt, in keiner Weise nach unserem Denken, Wollen, Wirken. Er sieht davon ganz ab. So sollen auch wir, wenn wir unserer Rechtfertigung gedenken, von uns selber, unserer Art und Beschaffenheit, unserem Wollen und Vollbringen ganz und gar absehen. Was uns bei dem Hinblick auf uns selbst und unser Tun stören und irre machen möchte, das darf und soll uns nicht stören und bedenklich machen, wenn wir auf die Frage, ob Gott uns gnädig sei, Antwort suchen. Unsere Rechtfertigung ruht ganz außer uns auf festem, ewigem Grunde.

Unter Verwendung von Arbeiten D. Stöckhardts und D. Franz Piepers