Der Gläubige in Not

Da aber eine Hungersnot im Land herrschte, zog Abram nach Ägypten hinab, um sich dort aufzuhalten; denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land. (1.Mose 12,10 Schlachter)

So handelt Gott!

Er regiert so, dass es zu vielen dem Menschen ärgerlichen Dingen kommt – ärgerlich nicht nur im Urteil der ungläubigen Menschen, sondern auch der Gottesfürchtigen.

Allerdings überwinden die Gläubigen alles, was sie beunruhigt, in der Weise wie auch Abraham – im Glauben.

Wenn die Propheten, Apostel und Prediger das Wort Gottes verkünden und Menschen an Christus gläubig werden, dann erhebt sich sehr bald große Not und auch Unglück.

Da fragt man sich, wie das wohl übereinstimmt mit den Worten Gottes: „In der Teuerung werden sie genug haben.“(Ps. 37,19) oder „Wenn eine Plage kommen will, so fürchtet er sich nicht; sein Herz hoffet unverzagt auf den HErrn.“ (Ps. 112,7) oder „Der HErr wird ihn erretten zur bösen Zeit.“ (Ps. 41,2) oder „Ich bin jung gewesen und alt worden und habe noch nie gesehen den Gerechten verlassen oder seine Nachkommen nach Brot gehen.“ (Ps. 37,25).

Geht Abraham nicht nach Brot? Muss er nicht aus dem ihm versprochenen Land Kanaan in das fremde Ägypten, damit er dem Hunger entflieht?

Die Antwort heißt: Dies alles geschieht durch den besonderen Ratschluss Gottes, damit der Glaube in den Gottesfürchtigen geübt wird. Es dauert eine Zeitlang. Dann erstattet Gott nicht nur allen Mangel, sondern mehrt auch den Glauben und die Erfahrung der Gnade und Barmherzigkeit.

Aus diesem Grund lehrt der Apostel, dass die Gläubigen (obwohl sie seufzen und weinen) sich ihres Kreuzes (d.h. ihrer Not) und ihres Leidens rühmen, nachdem sie erkannt haben, dass Gott auf wunderbare Weise regiert.

So wird Abraham hier auch angefochten, aber nicht zu seinem Schaden, sondern zu seinem Nutzen. Gott prüft seinen Glauben mit dieser Anfechtung und großen Not.

Als er aus Kanaan hat wegziehen müssen, hätte er da nicht denken können: Was ist nun mit der Verheißung Gottes, wo er mir und meinen Nachkommen doch dieses Land zugesagt hat? Warum muss ich hier weg, wenn ich nicht mit den Meinen vor Hunger sterben will? Sorgt Gott etwa?

Doch Abraham schaut zuerst auf die göttliche Verheißung vom ewigen Reich durch den Sohn Gottes. Damit tröstet er sich. Daneben gibt er den Glauben an die Zusage Gottes nicht auf und denkt, er werde wohl nach dieser Teuerung wieder in dieses Land kommen. So überwindet er die Anfechtung mit Geduld und Hoffnung des künftigen Segens. Sein Gottvertrauen fließt aus und ruht auf der Verheißung Gottes.

So sollen wir uns auch verhalten! Die Allgemeinheit klagt unter vielen Lasten, seufzt unter Sorgen um existentielle Dinge, fürchtet sich vor Aufruhr und Krieg.

Doch fromme Christen sollen wissen, dass dies alles geschieht, dass damit die Gläubigen auf die Probe gestellt werden.

Sie sollen sich vielmehr mit Abraham an die Zusagen Gottes halten und denken: Gott wird den Seinen auch in der größten Not helfen, ihnen beistehen und sie herausreißen, wie der Psalm lehrt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!… Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen; er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen.“ (Ps. 91,1f., 14f.)

So wird Gott in seiner Barmherzigkeit seine Zusagen erfüllen, den Glauben mehren, die Hoffnung stärken und reiche Erfahrungen seiner Gnade schenken. (ml/mb W2 I, col. 784 ff.)