Das Papsttum – der Antichrist (aus den Bekenntnisschriften)

Das Papsttum – der Antichrist

AS IV, 9-12, Vom Papsttum

9] Darum kann die Kirche nimmermehr bass [besser] regiert und erhalten werden, denn daß wir alle unter einem Haupt, Christo, leben, und die Bischöfe alle, gleich nach dem Amt (ob sie wohl ungleich nach den Gaben), fleissig zusammenhalten in einträchtiger Lehre, Glauben, Sakramenten, Gebeten und Werken der Liebe usw.; wie St. Hieronymus schreibt, daß die Priester zu Alexandria sämtlich und insgemein die Kirche regierten, und [wie] die Apostel auch getan und hernach alle Bischöfe in der ganzen Christenheit, bis der Papst seinen Kopf über alle erhob.

10] Dies Stück zeigt gewaltiglich, daß er der rechte Endechrist oder Widerchrist sei, der sich über und wider Christum gesetzt und erhöht hat, weil er will die Christen nicht lassen selig sein ohne seine Gewalt, 11] welche doch nichts ist, von Gott nicht geordnet noch geboten. Das heisst eigentlich „über Gott und wider Gott sich setzen“, wie St. Paulus sagt 2 Thess. 2. Solches tut dennoch der Türke noch Tatter [Tatar] nicht, wie grosse Feinde sie der Christen sind, sondern lassen glauben an Christum, wer da will, und nehmen leiblichen Zins und Gehorsam von den Christen.

12] Aber der Papst will nicht lassen glauben, sondern spricht, man solle ihm gehorsam sein, so werde man selig. Das wollen wir nicht tun, oder drüber sterben in Gottes Namen.

AS XI, Von der Priesterehe

1] Daß sie die Ehe verboten und göttlichen Stand der Priester mit ewiger Keuschheit beschwert haben, das [des] haben sie weder Fug noch Recht gehabt, sondern haben gehandelt als die endechristischen, tyrannischen, verzweifelten Buben und damit Ursache gegeben allerlei erschrecklicher, greulicher, unzähliger Sünden der Unkeuschheit, darin sie denn noch stecken. 2] Als wenig nun uns oder ihnen Macht gegeben ist, aus einem Männlein ein Fräulein oder aus einem Fräulein ein Männlein zu machen oder beides nichts zu machen, so wenig haben sie auch Macht gehabt, solche Kreaturen Gottes zu scheiden oder [zu] verbieten, daß sie nicht ehrlich und ehelich beieinander sollten wohnen. 3] Darum wollen wir in ihren leidigen Zölibat nicht willigen, auch nicht leiden, sondern [wir wollen] die Ehe frei haben, wie sie Gott geordnet und gestiftet hat, und wollen sein Werk nicht zerreissen noch hindern; denn St. Paulus sagt 1 Tim. 4, es sei eine „teuflische Lehre“.

AS XI, Von Anrufung der Heiligen

25] Anrufung der Heiligen ist auch der endechristischen [antichristischen] Missbräuche einer und streitet wider den ersten Hauptartikel und tilgt die Erkenntnis Christi, ist auch nicht geboten noch geraten, hat auch kein Exempel der Schrift, und haben’s alles tausendmal besser an Christo, wenn jenes gleich köstlich Gut wäre, als doch nicht ist.

Von der Gewalt und Oberkeit des Papsts, durch die Gelehrten zusammengezogen zu Schmalkalden. Anno 1537, Melanchthons Tractatus

57] Darum, obschon der Papst aus göttlichen Rechten den Primat oder Oberkeit hätte, soll man ihm dennoch keinen Gehorsam leisten, weil er falsche Gottesdienste und eine andere Lehre wider das Evangelium erhalten will. Ja, man soll sich aus Not wider ihn als den rechten Antichrist setzen. Man sieht’s je am Tage, was des Papstes Irrtümer und wie groß sie sind.

58] So sieht man auch die Wüterei, welche er wider die frommen Christen vornimmt. So steht Gottes Befehl und Wort da, daß wir Abgötterei, falsche Lehre und unbillige Wüterei fliehen sollen, Darum hat ein jeder frommer Christ wichtige, nötige und helle Ursachen genug, daß er dem Papst nicht Gehorsam leiste, und sind solche nötige Ursachen allen Christen ein großer Trost wider allerlei Schmach und Schande, die sie uns auslegen, daß wir Ërgernis geben, Zertrennung und Uneinigkeit anrichten.

59] Die es aber mit dem Papst halten und seine Lehre und falschen Gottesdienste verteidigen, die beflecken sich mit Abgötterei und gotteslästerlicher Lehre und laden auf sich alles Blut der frommen Christen, die der Papst und die Seinen verfolgen; die verhindern auch Gottes Ehre und der Kirche Seligkeit, weil sie solche Irrtümer und Laster vor aller Welt und allen Nachkommen zu Schaden verteidigen.