lutheraner-steeden.de Kirche und Gemeinde,Theologische Beiträge Das Evangelium – die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit in Reiche Gottes (Teil 3)

Das Evangelium – die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit in Reiche Gottes (Teil 3)

Das Evangelium oder die reine Lehre von der Rechtfertigung die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit im Reiche Gottes
Teil 3

(Ein vor der Delegatensynode, Milwaukee 1890, gehaltener und auf Beschluß derselben veröffentlichter Vortrag)

D. Franz Pieper

 

Hören wir schließlich noch einige Aussprüche Luthers, in welchen er den Christen, die das Evangelium haben, die Pflicht ans Herz legt, mit höchstem Fleiß dafür zu sorgen, daß das Evangelium allenthalben gepredigt und auf die Nachkommen vererbt werde.

Mit gewaltigen Worten schärft Luther ein, daß es die Pflicht nicht bloß einzelner Christen, etwa nur der betreffenden Eltern, sondern die Pflicht aller Christen, also aller christlichen Gemeinden sei, für die Erziehung junger Leute zum Predigtamt zu sorgen.

Die Christen sollen nicht meinen, es würden sich von selbst, ohne ihr sonderliches Zutun, allezeit so viel Prediger finden, daß sie und ihre Nachkommen die Predigt des Evangeliums hätten. Solche Nachlässigkeit und Sorglosigkeit würde Gott damit strafen, daß er die rechten Prediger rar werden und an ihrer Stelle falsche Prediger kommen ließe. Ia, wir dürfen nie vergessen: damit, daß den christlichen Gemeinden die Bestellung des Predigtamtes aufgetragen ist, ist ihnen auch die Erziehung junger Leute zum Predigtamt zur Pflicht gemacht. Sie, die christlichen Gemeinden, sollen Umschau halten nach Knaben und Jünglingen, die für das Lehramt in der Kirche taugen. Sie, die christlichen Gemeinden, sollen auch die Mittel zum Studium darreichen, wo dieselben fehlen.

Luther schreibt:*) Ich habe ja oft genug vermahnt, daß hierzu tun soll, wer nur etwas tun könnte, mit allem Fleiß, daß die Jugend zur Schule gezogen, recht unterrichtet und gelehrt würde zum Pfarr- und Predigtamt, und daß dieselben doch nur zur Notdurft versorgt würden; aber es tun, leider! wenig Städte und Herrschaften dazu. Siehe an ganz Deutschland, Bischöfe, Fürsten, Adel, Bürger und Bauern, wie sicher sie

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*) Luthers Werke, St. Louiser Ausgabe, XII, 926-929.

(Seite 141, column 2)

dabei hingehen, schnarchen und schlafen, denken, es habe nicht Not; es werde sich wohl selbst tun, man könne allezeit wohl Pfarrer und Prediger haben: aber sie werden wahrlich auch verschlafen haben, wenn sie meinen, sie haben’s wohl gemacht; denn sie werden auch unverständig, und wollen nicht sehen, was Gottes Wille sei. Darum werden sie müssen erfahren, das sie jetzt nicht glauben wollen, daß es wird in wenig Jahren nach uns dazu kommen, daß sie werden Prediger suchen und keine finden, und alsdann müssen hören grobe ungelehrte Esel, die kein Gottes Wort wissen noch verstehen, und predigen, wie die Pabstsesel, des Papsts Dreck und Stank von geweihtem Wasser uud Salz u. s. w., oder von ihren grauen Röcken und neuer Möncherei. — Man schreit, predigt und vermahnt, bis man nimmer will hören. Darum sagt uns auch St. Paulus diese Prophezeiung zuvor, daß solche werden unweise und unverständig, die da nicht merken, was Gottes Wille sei, und damit, wie folgt, die Zeit der Gnade und ihres Heils versäumen und verlieren. Nun ist je das Gottes Wille, daß wir seinen Namen heiligen, sein Wort lieb haben und fördern, und also Gott sein Reich helfen bauen u. s. w. Wo das geschieht, so will er darnach unsern Willen auch tun, nämlich, unser täglich Brot, Friede und Gutes geben.

Luther erinnert weiter daran, daß die Christen die Bestellung des Predigtamtes, die Erhaltung und Ausbreitung des Evangeliums ihr vornehmstes Werk hier au Erden sein lassen. Die Christen sollen zunächst dafür sorgen, daß die Predigt des reinen Wortes Gottes im Lande bleibe, die Sorge für das tägliche Brot soll ihnen erst an zweiter Stelle stehen. Kehren sie es um, so handeln sie wie Narren und Unverständige, und Gott wird diese Sünde der Christen mit teurer Zeit, Bosheit der Welt und anderem Unglück strafen.

Luther schreibt: Nun sollte ja das Vornehmste sein, daß wir dächten, wie wir Gottes Wort und Willen bei uns erhielten, das hieße recht verständig sein und sich in die Zeit geschieht. tun wir es nicht, so wird es uns auch gehen, wie es den Unverständigen, Unweisen und Narren gehen soll, daß wir werden müssen hören: Weil ihr nicht (Seite 141, column 3) habt meinen Namen wollen heiligen, und mein Reich nicht mehren, noch meinen Willen tun: so gebe ich euch auch nicht euer täglich Brot, vergebe euch nicht eure Sünde, noch helfe und rette von Anfechtung und Bösem. Darnach wird er dich denn lassen klagen über groß Unglück, Unfriede und Bosheit der Welt (wie man jetzt klagen muß, und die Welt dem Evangelio Schuld gibt); aber das soll sein die Strafe derer, die nicht haben wollen Gottes Willen erkennen, noch sich darein schicken, und doch wollen sich rechtfertigen und nicht gescholten sein, daß sie unweislich und als Narren handeln und tun.

Luther weist auch darauf hin, eine wie große Gnade es sei, wenn die reine Predigt in einen Lande öffentlich im Schwange gehe. Da wird auch immer eine Anzahl Seelen errettet werden. Verschwindet aber durch die Nachlässigkeit der Christen die reine Predigt von der Kanzel, so wird den Verführern Raum gegeben, und die Christen werden. schuld, daß viel Seelen verloren gehen. Um dies auf uns anzuwenden: Wir haben dafür zu sorgen, daß in diesem Lande allenthalben das reine Predigtamt aufgerichtet werde Unsere Schuld soll es nicht sein, daß man zu falschen Lehrern seine Zuflucht nimmt.

Luther schreibt: Wohlan, dasistinsgemein davon gesagt, was da heiße ,,weislich und vorsichtiglich“ wandeln, und wiederum, unverständig sein in den Sachen, da es am nöthigsten ist, in der Kirche, so das Predigtamt und Gottes Wort betreffen. Denn wo das bleibt, so werden auch etliche erhalten unter dem Haufen, die sich recht darein schicken, oder noch herzukommen. Aber wo es auch vom Predigtstuhl kommt, so wird es wenig helfen, obgleich einer oder etliche für sich selbst allein können die Schrift lesen, und wähnen, sie dürfen keines Predigens. Wo bleibt dieweil der andere große Haufe, die man lehren muß? Siehe, wie ist es bei unserer Zeit allbereit ergangen den armen Leuten, so beide durch Müntzerische und Münsterische Propheten und Rotten verführt sind? Darum tue und helfe jedermann ernstlich dazu, daß Gottes Wort öffentlich allenthalben gepredigt und gehört werde, und also die Kirche recht angerichtet und gebaut stehe; darnach ziehe er für sich selbst das hochzeitliche Kleid an (davon heute das (Seite 142, column 1) Evangelium sagt), und denke, daß er sich auch finden lasse, als der Gottes Wort mit Ernst meine; denke nicht, wie die sichern Geister: O! ich habe Pfarrherren und Prediger genug, kann es hören oder lesen, wann ich will, oder komme noch täglich wohl dazu; ich muß zuvor sehen, wo ich mein Brot erwerbe u. s. w., andere mögen auch für sich sorgen. Nein, lieber Mann, siehe dich wohl vor,. es kann dir bald fehlen, daß du es versiehst und gefunden wirst ohne das hochzeitliche Kleid, und also dahin stirbst oder verführt werdest, ehe denn du wähnest; wes wird alsdann die Schuld sein, weder dein selbst, der du die Vermahnung St. Pauli nicht hast wollen hören, noch weislich und vorsichtiglich wandeln? Jetzt sollte man kaufen, weil der Markt vor der Tür ist; denn wie sich die Welt dazu schickt, so wird sie nicht lange behalten, das sie hat. Man hilft allenthalben treulich die Prediger verjagen, oder je also drücken, zum wenigsten mit Hunger und Armuth oder anderen heimlichen Tücken, daß man ihrer nur los werde. Wohlan, es bedarf zwar hier nicht viel Mühe und Arbeit; man wird ihrer sonst wohl und allzubald los werden, und dafür Verführer genug haben. Aber ich wollte noch viel lieber mit Juda dem Verräter in der Hölle brennen, denn daran schuldig sein, daß eine Pfarre verwüstet oder einem Verführer Raum gegeben würde; denn es wird auch der Verräter Christi nicht so unerträgliche Pein haben, als dieser einer; denn durch diese Sünde müssen unzählig viel Seelen verloren werden.

Luther geht auch auf den Einspruch derer ein, welche sagen, sie hätten jetzt noch nicht die Zeit und die Mittel, für die Ausbreitung des Evangeliums zu sorgen; sie wollten eine bessere und gelegenere Zeit abwarten. Solche Gedanken finden sich auch unter uns und tun dem Reiche Gottes großen Schaden. Man denkt: ,,Vorläufig brauche ich meine Söhne und mein Geld noch in meinem Geschäft. Später, wenn ich im Irdischen weiter gekommen bin, will ich auch meiner Christenpflicht nachkommen.“ Das ist eine List des Teufels, durch welche er die Christen schändlich zu betrügen sucht. Später wird ihnen der Teufel noch größere Hindernisse in den Weg zu legen suchen, so daß sie nie zur Ausrichtung ihrer Christenpflicht kommen, viele andere Menschen um ihr Heil bringen und wohl auch selbst um Glauben und Seligkeit kommen.

Luther: Solche Vermahnung führt St. Paulus weiter, und deutet, was er heißt ,,vorsichtiglich wandeln“, und verständig sein: ,,Und schicket euch“, spricht er, ,,in die Zeit, denn es ist böse Zeit.“ Als wollte er sagen: Denket nicht, daß ihr hier gute Tage werdet haben, oder wolltet eure Sachen aufziehen, bis ihr bessere Zeit ersehet; denn es wird doch nicht besser: ihr habt allezeit den Teufel in der Welt, der euch nur an allem Guten hindern will, und je länger je mehr in den Weg wirft; daß je länger ihr harrt, je weniger ihr könnt dazu kommen, Gutes zu tun: und so ihr die Zeiten versäumt, wird es euch hernach nicht so gut. Darum schicket euch also darein, daß ihr auch die Zeit stehlet und raubet, wie ihr könnt. Lasset euch nichts so lieb sein, als daß ihr Gottes Reich fördert und der Christenheit zu Nutz und Gutem dienet, wo ihr nur etwa könnt, es falle oder stoße euch vor, was da wolle. –Also spricht auch Christus zu seinen Iuden Ioh. 12, 36.: ,,Glaubet an das Licht, dieweil ihr’s habt, au daß ihr des Lichts Kinder seid“; item, St. Paulus 2 Cor. 6, 1. 2. aus (Seite 142, column 2) dem Propheten Iesaia, Cap. 49, 8.: ,,Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils.“ ,,Darum sehet zu“, spricht er, ,,daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen habt“, das ist, daß ihr die Seligkeit nicht vergeblich lasset hingehen, sondern brauchet ihrer, weil ihr könnt, daß ihr helfet Gottes Reich mehren, zu eurer Seligkeit und anderer, sparet es nichte enhintern auf andere Zeit, denn es möchte euch hernach die Zeit entlaufen. Also spricht er auch Gal. 6, 10.: ,,So wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes tun“ u. s. w. Als wollte er sagen: Thut jetzt dazu, weil ihr könnt; denn ihr werdet Wunder sehen, wie euch die Zeit wird unter Händen weggehen. Darum lasset euch die Gedanken nicht betrügen: O, ich komme noch wohl uber ein, zwei, drei Iahr dazu. Denn das ist lauter Unverstand und unweise Gedanken der Unvorsichtigen, die da lassen ihre eigene Seligkeit vorüber gehen, so sie vorhanden haben, ehesie es gewahrwerden; denken nicht, was Gottes Wille sei, sondern denselben auf einen Ort setzen, bis sie ihr Ding ausrichten, und darnach zu lange geharret haben.

Endlich verweisen wir noch au Luthers Ausführung zu Phil. 1, 3. Ein Christ, sagt Luther, freut sich über nichts mehr, als wenn er hört, daß andere Leute auch zur Gemeinschaft des Evangeliums gekommen sind. Aus dieser Freude am Reiche Gottes erwächst dann immer wieder neuer Eifer, mit allen Kräften den Lauf des Evangeliums zu fördern.

Luther schreibt:*) Also stehtein christlich Herz, und dies ist seine Farbe und Gestalt, wie Pauli Worte lauten, daß er von Grund fröhlich und lustig darüber ist und Gott dankt dafür, daß auch andere Leute zu der Gem einsch aft des Evangelii kommen, und hat eine gute Zuversicht gegen die, so da angefangen zu glauben, nimmt sich ihres Heils an, freut sich deß ja so hoch als seines eigenen, und kann Gott nicht genug dafür voll danken; und ohn Unterlaß bittet, daß er möge erleben und sehen viel Leute mit ihm zu solcher Gemeinschaft kommen, und dabei erhalten werden bis an den Tag IEsu Christi, der alles vollkommen und ganz mache, woran es noch hier mangelt und fehlt, und also in solchem Glauben und Hoffnung fortfahren unanstößig, bis sie denselbigen fröhlichen Tag erreichen. — Siehe, also erzählt der fromme Apostel und schüttet heraus den Grund seines Herzens, voll rechter Früchte seines Geistes und Glaubens, so da brennt vor Freude und Lust über dem, wo er sieht das Evangelium erkannt und angenommen und geehrt werden, und vor herzlicher Liebe gegen seine Kirchen, daß er nichts Höheres weiß ihnen zu wünschen und von Gott zu bitten, denn daß sie darin zunehmen und bleiben. Fur so thenren und großen Schatz hält er es, wo man Gottes Wort mag haben und behalten; wie Christus auch selbst solche selig spricht, Luc.11, 28.-Nun, das erste, deß hiermit St. Paulus uns ein Exempel gibt, ist, daß wir auch dankbar seien. Denn das gehört erstlich zu einem Christen, der da Gottes Gnade und Wohlthat durch’s Evangelium erkennt nd glaubt, daß er sich desselben dankbar erzeige; nicht allein gegen Gott, welches ist das Vornehmste, sondern auch gegen die Menschen. Denn nun wir sind Christen worden, und der falschen Gottesdienst und Opfer, dazu wir zuvor in unsrer heidnischen Blindheit sehr brünstig und willig gewesen, abgegangen sind: so sollen wir nun denken, daß wir hinfort viel mehr und lieber rechte Gottesdienste und Opfer tun. Nun haben wir kein ander noch besser äußerlich Gottesdienst und Werk, denn das die Schrift heißt Dankopfer, daß wir nicht allein mit Mund und Worten, sondern von ganzem Herzen, was wir mit Leib und Leben vermögen, zu Lob und Preis seiner Gnade Gottes Wort zu predigen, hören, ehren und fördern, denn dasselbige ist auch das beste Stück der Dankbarkeit.

Dieses ,,beste Stück der Dankbarkeit“ wolle Gott auch in unserer Synode immer auf’s Neue wirken und mehren, zu seines herrlichen Namens Ehre und vieler Seelen Seligkeit! Amen.

F. P.

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*) Luthers Werke, St. Louiser Ausg. XII, 936-938.