Die Heilige Schrift

kann dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus

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Das Evangelium – die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit in Reiche Gottes (Teil 2)

Das Evangelium oder die reine Lehre von der Rechtfertigung die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit im Reiche Gottes
Teil 2

(Ein vor der Delegatensynode, Milwaukee 1890, gehaltener und auf Beschluß derselben veröffentlichter Vortrag)

D. Franz Pieper

Bedenken wir: wenn nun das Evangelium an einen Ort kommt, so geht für diesen Ort die Sonne des Heils auf. Es liegt ja, seitdem Christus gestorben und auferstanden ist, nichts mehr zwischen Gott und den Menschen. Die Sünde und Gottes Zorn sind hinweggethan, die Gnade und die Gerechtigkeit sind an das Licht gebracht. Es bleibt nur noch übrig, daß die Menschen durch das Evangelium von der für sie vorhandenen Gnade und Seligkeit Kunde erhalten und beides im Glauben annehmen. Welch‘ ein Segen widerfährt also einem Ort, wenn daselbst das Evangelium auf den Leuchter gestellt wird! Da thut sich für einen solchen Ort thatsächlich der Himmel auf.

Da können alle Sünder selig werden Muß uns dies nicht bewegen, unter Aufwendung aller Mittel und mit heiliger Begeisterung dafür zu sorgen, daß das Evangelium an möglichst viel, ja, so viel an uns ist, an allen Orten erschalle? Luther schreibt zu 2 Cor. 6, 2. (,,Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils“): Hiermit beschreibt der Apostel, welch eine reiche Seligkeit das ist, wo das Evangelium geht. Es ist eitel Gnade und Hülfe da; da ist kein Zorn noch Strafe, ja, es sind unaussprechliche Worte, die er hier setzt. Aufs erste, daß es ,,angenehme Zeit“ ist. Das ist auf hebräische Weise geredet, und gilt auf deutsche Weise so viel: Es ist eine gnädige Zeit, darin Gott seinen Zorn abwendet, eitel Lust und Liebe und Wohlgefallen hat, uns wohl zu tun. Hier ist aller Sünden vergessen, beide der vergangenen und noch übrigen. Kurz, es ist ein Reich der Barmherzigkeit, darin eitel Vergebung und Versöhnung ist, der Himmel steht jetzt offen, es ist das rechte güldene Jahr, da niemand nichts versagt wird. (St. Louiser Ausg. XII, 438.)

Vergessen wir ferner nicht: das Evangelium ist die göttliche Botschaft davon, daß Gott durch Christum mit allen Menschen, wer und wo sie auch seien, vollkommen versöhnt sei. So bringen wir nun mit der Predigt des Evangeliums an alle Orte, wohin wir gelangen, und zu allen Menschen, vor die wir hintreten können, das Heil. Ob wir daher mit dem Evangelium nach dem Norden oder Süden, nach dem Osten oder Westen uns wenden, ob wir es in den Städten oder auf dem Lande, auf den Prairieen oder in den Wäldern predigen, ob wir es den weißen oder schwarzen oder gelben Menschen verkündigen: nie treffen wir auf einen Menschen, der nicht durch Christum vollkommen erlöst wäre und dem wir daher nicht mit dem Evangelium den Himmel und die Seligkeit brächten. Sollte uns das nicht bewegen, mit heiliger Begeisterung und unter Aufbietung aller uns zu Gebote stehenden Mittel das Evangelium zu predigen?

Vergessen dürfen wir auch nicht, daß, weil es ein Evangelium gibt und die Kirche mit der Predigt desselben betraut ist, die Kirche die Schuldnerin der Welt geworden ist. Im Evangelium liegt nun das Heil der Welt. Wenn die Kirche das Evangelium nicht predigt, muß die Welt verloren gehen. Da ist keine Rettung. Die Welt weiß wohl aus sich selbst, daß es einen Gott gibt, aber wenn es hoch kommt, das heißt, wenn die Welt sich überhaupt noch mit Gedanken von Gott und Seligkeit abgibt, so meint sie, daß ein Mensch durch sein eigenes tun Gott versöhnen und den Himmel sich erwerben müsse. Das ist aber gänzliche geistliche Finsternis, verderblicher Irrtum! Durch des Gesetzes Werk wird kein Fleisch vor Gott gerecht. Aus dieser Finsternis, von diesem Wege des Verderbens kann die Welt allein dadurch errettet werden, daß die Kirche ihre Schuldigkeit tut und das ihr anvertraute Evangelium predigt, das heißt, die Lehre, daß Gott die Menschen nicht um ihrer Werke, sondern aus Gnaden um Christi willen in den Himmel nehme. Die Predigt des Evangeliums ist daher auch die größte Wohltat, die die Christen der Welt erweisen können. Gesetzt den Fall, wir könnten der Welt die nützlichsten Erfindungen für das irdische Leben darbieten oder wir könnten der Welt einen allgemeinen leiblichen Frieden sichern, so daß aller Krieg und Streit aufhörte, oder wir könnten alle Menschen ohne Ausnahme reich, sehr reich an irdischen Gütern machen: dies alles wäre nicht so viel wert, als eine evangelische Predigt. Denn durch alle jene Dinge kann nicht eine Seele von Gottes Zorn und dem ewigen Verderben errettet werden. Durch jede evangelische Predigt aber, ja, durch jeden evangelischen Spruch wird den Hörern alles gebracht und dargeboten, was Christus, der Sohn Gottes, mit seinem stellvertretenden Leben, Leiden und Sterben erworben hat. Wahrlich, wenn wir dies uns gegenwärtig halten, müssen wir gewillt sein, alles aufzuopfern, damit die Welt das Evangelium höre.

Wir wollen uns endlich auch noch daran erinnern lassen, daß gerade wir und die mit uns in Glaubensgemeinschaft stehenden Kirchenkörper verpflichtet sind, unter Anspannung aller Kräfte und unter Aufwendung aller uns zu Gebote stehenden Mittel Missionsarbeit zu tun. Wir dürfen keinen Augenblick vergessen, daß nichts als das reine Evangelium oder die reine Lehre von der Rechtfertigung die Kirche baut. Eifer, Arbeit und Aufwendung von irdischem Gut haben an sich selbst keinen wert im Reiche Gottes. Auch Muhammedaner, Mormonen, Papisten und Andere sind eifrig gewesen für das, was sie ,,Mission“ nannten Um nur bei den Papisten stehen zu bleiben: sie wendeten und wenden Gut und Leben auf. Große Geldsummen stellen sie in den Dienst der Mission. Ihre Missionare durchziehen mit großem Eifer alle Welttheile; sie scheuen nicht die heiße Sonne Africa’s und die Gefahren unter den wilden Völkern. Biele haben sich in diesem Dienst erschlagen lassen. Und doch wird durch das hier aufgewendete Gut und Blut, soweit die Pabstsecte in Betracht kommt, nicht die Kirche Gottes, sondern nur des Teufels Reich gebaut. Menschen werden nicht von der Verdammniß errettet, sondern in zwiefache Verdammniß gestürzt. Bon der Thätigkeit, dem Eifer und der Begeisterung der Pabstsecte gilt, was der HErr von den Pharisäern sagt: ,,Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, daß ihr einen Iudengenossen machet, und wenn er’s worden ist, machet ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefach mehr, denn ihr selbst.“ Warum wird durch allen papistischen Eifer die Kirche nicht gebaut und der armen Welt nicht geholfen? Weil die Papisten nicht das Evangelium, die Lehre von der Rechtfertigung, sondern Werke lehren. So retten sie die Seelen nicht, sondern verstricken sie, unter christlichem Namen, nur noch weiter in den Grundirrtum des natürlichen Herzens, nämlich in den heidnischen Irrtum, daß ein Mensch durch eigene Werke vor Gott gerecht werden müsse. Wenn eine Seele bei der Mission der Papisten selig wird, so geschieht dies, so zu sagen, zufällig, indem nebenbei Worte der heiligen Schrift einschließen, welche mit der eigentlichen Lehre der Pabstsekte im Widerspruch stehen, an welche aber einfältige Seelen durch Wirkung des Heiligen Geistes sich halten. So haben Gut und Eifer und Arbeit in der Mission keinen selbständigen wert. Sie haben nur wert, wenn zugleich ein Anderes die Hauptsache bei der Mission ist: die Predigt des Evangeliums, die reine Lehre von der Rechtfertigung, die Lehre, daß Gott allein aus Gnaden um Christi willen, also nicht aus den Werken, sondern durch den Glauben an das Evangelium, die Menschen gerecht und selig mache. Nur diese Lehre und keine andere macht Christen, baut die Kirche, macht Menschen. selig. Wird diese Lehre nicht gepredigt, wird vielmehr gelehrt, daß ein Mensch ganz oder teilweise durch sein eigenes tun vor Gott gerecht werden müsse, so kann durch solche Predigt kein Mensch selig werden, und die Kirche Gottes wird nicht gebaut, mögen auch Millionen Dollars aufgewendet werden und Tausende von sogenannten Predigern in der eifrigsten Arbeit stehen.

Und wollte Gott, daß die Pabstsekte mit der Verleugnung der Lehre von der Rechtfertigung allein dastände! Dem ist aber nicht so. Zwar das Pabsttum treibt es am ärgsten. Es verwirft nicht bloß die Lehre, daß Gott allein aus Gnaden um Christi willen und daher allein durch den Glauben und nicht um der Werke des Menschen willen die Sünder gerecht und selig mache, sondern es verflucht sogar diese Lehre offiziell im Tridentinum und kennzeichnet sich dadurch für jeden, der sehende Augen hat, als das Antichristentum. Die sogenannten evangelischen oder protestantischen Sekten dagegen bekennen noch vielfach die Lehre, daß ein Mensch durch den Glauben an Christum gerecht und selig werde. Aber tatsächlich steht es so, daß bei den SeKten nicht das Evangelium, sondern die Werklehre herrscht. Bei einer kürzlich in Chicago von Sektenpredigern abgehaltenen Konferenz konnte einer von ihnen sagen, daß die meisten Glieder der Konferenz keinen Unterschied wüßten zwischen ihrer und der papistischen Lehre vom Heilsweg. Wem von uns, der die Sekten genauer kennt, wäre es verborgen, daß viele Sektenprediger weiter nichts als schale Moral predigen, andere aber, die besser stehen, doch so lehren, daß die Sünder immer wieder angeleitet werden, auf eigene Würdigkeit und eigenes tun zu vertrauen, anstatt in der Gnade Gottes, wie sie im Evangelium geoffenbart ist, zu beruhen?

Aber die Verleugnung des reinen Evangeliums ist auch noch nicht auf die Sekten beschränkt. Auch nicht alle, die sich Lutheraner nennen, predigen das Evangelium rein. Haben doch solche, die früher mit uns wandelten, dem reinen Evangelium den Rücken gekehrt und behaupten, daß des Menschen Bekehrung und Seligkeit nicht allein von der Gnade Gottes, sondern auch vom Verhalten des Menschen, also von den Werken des Menschen, abhängig sei.

Das sind lauter Lehren, durch welche die Kirche nicht gebaut und den Seelen nicht geholfen wird. So gewiß es ist, daß kein Mensch anders als aus lauterer Gnade selig wird, so gewiß ist es auch, daß eine kirchliche Gemeinschaft nur insofern die Kirche baut und den Seelen hilft, als sie die lautere Gnade predigt. Die reine Predigt der Lehre von der Rechtfertigung ist das notwendige Mittel beim Bau en des Reiches Gottes. Und nur die Lehranstalten sind rechte Missionsseminare, in welchen solche jungen Leute ausgebildet werden, die die reine Lehre von der Rechtfertigung predigen können.

Nun, unsere kirchliche Gemeinschaft hat durch Gottes Gnade das reine Evangelium, die reine Lehre von der Rechtfertigung. Sie ist darum von Gott fi r die Arbeit im Reiche Gottes recht ausgestattet. Wir können die Arbeit tun, die Gott von der Kirche getan haben will und den Menschen wahrhaft nützt. Durch uns können die Menschen den geraden Weg zum Himmel geführt werden. Nun wohlan! so wollen wir auch Missionsarbeit verrichten, und zwar unter Aufbietung aller Kräfte. Wie Gott uns vor vielen Andern durch Verleihung der Gabe des reinen Evangeliums ausgezeichnet hat, so sollen wir uns nun auch durch Eifer und Fleiß in der Verkündung des Evangeliums auszeichnen. Wir sollen und wollen uns ein hohes Ziel stecken! Wir wollen mit dem Evangelium durch Stadt und Land eilen, wir wollen die Staaten, Counties und Townships durchziehen. Wir wollen uns beeilen, daß wir dieses Land mit dem lautern Evangelium erfüllen. Dann wollen wir nach Africa, Asien und überall hineilen, wo das Evangelium noch nicht gepredigt wird. Zu dem Ende wollen wir unsere Lehranstalten bis auf den letzten Platz mit jungen Leuten füllen, und wenn die vorhandenen Anstalten zu klein sind, wollen wir mehr und größere Anstalten bauen, damit die Zahl unserer Arbeiter verdoppelt, verfünffacht, verzehnfacht werde. Kaufen wir die Zeit wohl aus! Noch erfreuen wir uns der Gnade, welche nicht viele kirchliche Gemeinschaften genießen, nämlich der Gnade, daß wir durch Lehren der reinen Lehre von der Rechtfertigung rechte Prediger und Missionare ausbilden können.

Alle Aufwendung von Mühe und Arbeit, von Gut und Blut und Leben im Dienst der Lehre von der Rechtfertigung ist köstlich vor Gott und wird mit einem herrlichen Gnadenlohn gekrönt werden. Ja, hochbegnadigt ist die Gemeinschaft, hochbegnadigt sind alle Christen, welche Gott würdigt, im Dienst dieser Lehre ihr Gut und ihre Kräfte zu verzehren. F. P.

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