Die Heilige Schrift

kann dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus

DanishEnglishFinnishFrenchGermanItalianLatvianPortugueseRussianSpanishSwedish

Das Evangelium – die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit im Reiche Gottes (Teil 1)

Das Evangelium oder die reine Lehre von der Rechtfertigung die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit im Reiche Gottes
Teil 1

(Ein vor der Delegatensynode, Milwaukee 1890, gehaltener und auf Beschluß derselben veröffentlichter Vortrag)

D. Franz Pieper

 

Die vornehmste Arbeit, ja, das eigentliche Werk, welches Gott seiner Kirche hier auf Erden aufgetragen hat, ist die Predigt des Evangeliums. Daß auch wir als kirchlicher Körper, als Synode, diese Arbeit zu verrichten haben, gibt jeder von uns ohne Weiteres zu. Aber es bedarf der fortwährenden Erinnerung, von wie großer Wichtigkeit es sei, daß wir diese Arbeit mit dem größten Eifer, ja, mit heiliger Begeisterung verrichten.

Nur so werden wir — das bezeugt Gottes Wort und das bestätigt auch die Erfahrung –durch Gottes Gnade den gewünschten Erfolg haben. Die Kirchengemeinschaften, welche für die Arbeit im Reiche Gottes begeistert waren und demgemäß Hand ans Werk legten, hat Gott wachsen und vielen Seelen zum Segen werden lassen. Wo man dagegen schläfrig und ohne Begeisterung die Hand am Werke hatte, da hat man sowohl wenig ausgerichtet, als auch als kirchliche Gemeinschaft eine kümmerliche Existenz geführt. Hierher gehört das Wort des HErrn: ,,Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, das er hat“ (Matth. 13, 12.).

Aber nicht nur der gewünschte Erfolg fordert die Begeisterung für die Arbeit im Reiche Gottes. Vor allen Dingen ist es Gottes ausdrücklicher Wille, daß die Christen nicht schläfrig und träge, sondern mit dem größten Eifer und Fleiß ihre Arbeit verrichten. In Gottes Wort werden die Christen nicht nur ermahnt: ,,Seid nicht träge, was ihr tun sollt“ (Röm. 12, 11.), sondern ihnen wird auch zugerufen: ,,Verflucht sei, wer des HErrn Werk lässig treibt“ (Jes. 48, 19.).

Das sollen wir auch als ganze Synode wohl bedenken. Die Synode aber besteht aus Lehrern und Hörern. Die Lehrer, die Prediger, sollen bedenken, daß sie nur dann Gott wohlgefällig wandeln, wenn sie unter Hintenansetzung aller irdischen Rücksichten von ganzem Herzen ihrem Amte leben, in demselben aufgehen, sich in demselben verzehren, kurz: mit heiliger Begeisterung in de selben arbeiten. Hier mahnt auch das Beispiel Christi selbst. Christus spricht gerade in Bezug auf die Ausübung des Predigtamts Joh. 4, 34.: ,,Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat.“ Wie ein Hungriger der Speise begehrt, so soll — das ist Gottes Wille und das lehrt Christi Beispiel– ein Prediger der Arbeit im Reiche Gottes begehren. So mahnt auch das Beispiel des Apostels Paulus. St. Paulus kann von sich bezeugen, daß er unter Hunger und Durst, unter Frost und Blöße, unter Fährlichkeit zu Wasser und zu Land, unter Schlägen und Gefängnissen 2c. das Evangelium predigte, und zwar in eigenem Sold, indem er den Lebensunterhalt für sich und die Seinen mit seiner Hände Arbeit sich erwarb, anstatt denselben, wie er wohl Macht gehabt hätte und es auch Gottes Ordnung ist, von den Gemeinden zu fordern. Welch‘ ein Eifer, welche Begeisterung für die Arbeit im Reiche Gottes tritt uns auch in diesem Vorbild entgegen! — Dieselbe Begeisterung aber soll nach Gottes Willen nicht nur bei den Predigern, sondern bei allen Christen, also auch bei allen Gliedern unserer Gemeinden, bei jedem Synodalgliede, sich finden. Daß das Evangelium gepredigt werde, dafür macht Gott in erster Linie nicht die Prediger, sondern die christlichen Gemeinden verantwortlich. Den christlichen Gemeinden, der Kirche, ist die Predigt des Evangeliums ursprünglich und zuerst aufgetragen. Die Prediger können und sollen nur dann predigen, wenn sie von der Kirche gesandt werden. So macht Gott auch alle Gemeinden unseres Synodalverbandes dafür verantwortlich, daß das Evangelium gepredigt werde, und zwar nicht nur in ihrer eigenen Mitte, sondern auch überall da, wo es noch nicht erschallt. Jeder Christ, jedes Synodalglied, soll daher von heiligem Eifer für die Predigt des Evangeliums entbrannt und in diesen Eifer Alles aufzuopfern bereit. sein. Das ist Gottes Wille an alle Christen unter uns, an Jung und Alt, an Mann und Weib, an die Reichen und die minder Begüterten.

Dazu kommt noch dies: Ist eine Kirchengemeinschaft zu dieser Arbeit im Reiche Gottes nicht eifrig, sondern lau und träge, dann wird Gott das Evangelium von ihr nehmen, ihren Leuchter von seiner Stätte wegstoßen und sein Reich Andern geben. Das ist es, was Luther so oft ausführt. Gott werde Deutschland das Evangelium, welches ihm durch die Reformation geschenkt war, wieder nehmen, wenn Deutschland nicht, Gottes große Gnadenheimsuchung erkennend, auch eifrig sei für die Fortpflanzung und Ausbreitung des reinen Evangeliums. Wenden wir das auf unsere Synode an. Unsere Synode wird nur dann das reine Evangelium behalten und Gott wird unsere Synode nur dann weiter wachsen und gedeihen lassen, wenn sie eifrig ist in der ihr befohlenen Arbeit, nämlich in der Fortpflanzung und Weiterverbreitung des reinen Evangeliums. Lauheit und Trägheit in diese Stück würde die sichere Folge haben, daß Gott sein Reich von uns nähme, nachdem dies Gericht vielleicht noch eine Zeitlang durch die Fürbitte einiger eifriger Christen unter uns aufgehalten worden wäre. So wichtig ist es, daß Begeisterung für die Arbeit im Reiche Gottes uns erfülle.

Aber diese Begeisterung muß auch rechter Art sein. Es gibt auch eine falsche Begeisterung. Eine solche findet sich da, wo man nur arbeitet, um vor der Welt groß dazustehen, um nämlich eine äußerlich große Gemeinschaft zu sammeln, welche die Bewunderung der Welt erregt; wo man also im Grunde deshalb arbeitet, um sich von der Welt preisen zu lassen Mit solcher Begeisterung wird man schließlich Gottes Reich zerstören. Diesen Stolz, diese Selbstverherrlichung kann Gott nicht leiden. Er spricht: ,,Ich will meine Ehre keinem Andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen“ (Jes. 42, 8.). Gott kann schon den Stolz der Menschen im Reiche dieser Welt nicht leiden. Nebukadnezar ist da das warnende Beispiel bis an das Ende der Tage. Noch mehr aber ist Gott dem Stolz in seinem geistlichen Reiche, in der Kirche, feind. ,,Er zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn“ (Luk. 1, 50.). Wohl mag Gott eine Kirchengemeinschaft, bei der Selbst- und Menschenvergötterung die Triebkraft des Tuns ist, noch eine Zeitlang bestehen lassen, indem er Raum gibt zur Buße und sein zur Strafe aufgehobener Arm durch die Fürbitte etlicher demütiger Christen noch aufgehalten wird. Würde aber der fleischliche Sinn der Selbstverherrlichung dauernd werden und zur Herrschaft kommen, dann würde endlich ein schreckliches Gericht Gottes nicht mehr abzuwenden sein. So wichtig ist es, daß uns auch die rechte Begeisterung erfülle.

Welches ist nun die rechte Begeisterung? Oder fragen wir sogleich: Wohin müssen wir schauen, woran müssen wir uns erinnern, um mit der so nötigen rechten Begeisterung erfüllt zu werden? Wir könnten ja eine Reihe von Gründen neben einander stellen. Wir wollen nur an einen Hauptgrund uns erinnern, der freilich schließlich alle andern in sich befaßt. Es ist dieser, daß uns als kirchlicher Gemeinschaft das reine Evangelium oder, was dasselbe ist, die reine Lehre von der Rechtfertigung anvertraut ist. Das Evangelium oder die reine Lehre von der Rechtfertigung die Quelle der rechten Begeisterung für alle Arbeit im Reiche Gottes. Sobald wir uns darauf besinnen, daß wir als kirchliche Gemeinschaft der Welt das reine Evangelium oder die reine Lehre von der Rechtfertigung darbieten können und sollen, wird heilige Begeisterung für alle unsere Synodalarbeit, die ja lediglich die Predigt des reinen Evangeliums zum Zweck hat, uns erfüllen, und werden wir willig sein, unsere Kräfte und unser Gut, ja, unser Leben in den Dienst dieser Arbeit zu stellen. Will Lauheit und Trägheit sich bei uns einschleichen, will uns manchmal der Arbeit und des Gebens zu viel werden, so bedarf es nur der Erinnerung an die Herrlichkeit des Evangeliums, welches uns anvertraut ist, um die Trägheit zu bannen.

Was ist denn Evangelium? Erinnern wir uns an Folgendes: Diese Erde ist der Schauplatz eines wunderbaren Ereignisses geworden, eines Ereignisses, welches die Verwunderung auch der heiligen Engel erregt und der Gegenstand des ewigen Lobpreises seitens aller Seligen im Himmel sein wird Der Sohn Gottes ist durch Annahme einer armen Menschennatur vom Himmel auf diese Erde herabgekommen, ist hier auf Erden dreiunddreißig Jahre gewandelt, ist am Kreuz gestorben und begraben, dann wieder auferstanden und gen Himmel gefahren.

Und dieses wunderbare Ereignis hat ein über die Maßen wunderbares Resultat für alle Menschen ergeben. Gott ist nun mit allen Menschen, die ja seit dem Sündenfall unter seinem Zorn lagen, vollkommen versöhnt. Allen Menschen, die ja der ewigen Verdammnis verfallen waren, ist nun die Seligkeit bereitet und steht nun der Himmel weit offen, so daß nun kein Mensch seinerseits noch irgend etwas zu tun braucht, um sich Gnade und Seligkeit erst noch zu erwerben, sondern jeder dadurch, daß er Christi Wort für sich gelten läßt, das heißt, glaubt, in den geöffneten Himmel eingehen kann und soll.

Dieses wunderbare Resultat, diese wunderbare durch Christi Werk geschaffene Sachlage den Menschen kundzutun und dadurch die Menschen zum Glauben und zur Seligkeit zu führen, ist die Aufgabe, welche Gott seiner Kirche hier auf Erden gestellt hat. Gott hat seiner Kirche den Auftrag gegeben: ,,Prediget das Evangelium aller Kreatur.“ (Mark. 16, 15.) Evangelium predigen heißt aber: nichts anderes predigen als das, was Christus für die Menschen getan und welche Sachlage er für die Menschen geschaffen hat, nämlich, daß Gott durch Christum mit allen Menschen und jedem einzelnen derselben vollkommen versöhnt sei, daß Gott daher die Sünder ob ihrer Sünden nicht mehr verdammen, sondern sie rechtfertigen wolle, ja, dieselben bereits gerechtfertigt habe, als er Christum, ihren Stellvertreter, sterben ließ und von den Toten wieder auferweckte, daß daher alle Sünder ohne alle eigene Werke und Würdigkeit durch den Glauben an das Evangelium selig werden können und sollen.

Das ist Evangelium! Das ist die überaus wunderbare und herrliche Botschaft, welche die Kirche auszurichten hat, deren Ausrichtung auch unsere Synodalgemeinschaft dienen soll. Die Herrlichkeit dieser Botschaft muß nun aber auch das bei uns bewirken, daß wir mit allem Eifer, ja, mit heiliger Begeisterung der Ausrichtung derselben obliegen. Wenn der herrliche Inhalt des Evangeliums uns nicht mit heiligem Eifer für die Verkündigung desselben erfüllt, so wird nichts Anderes unsere Herzen erwärmen. Wir müßten ja freilich Gottes Botschaft an die Menschen auch ausrichten, wenn sie dahin lautete: ,,Gott will mit den Menschen nach ihrem Verdienst und nach seiner Gerechtigkeit handeln; er will die Menschen ob ihrer Sünden verurteilen und sie unwiderruflich den Flammen der Hölle überantworten.“ Aber es wäre erklärlich, wenn bei diesem Auftrag der Gedanke sich in uns regte: ,,HErr, sende Andere, nicht uns!“ Aber nun hat die Kirche nicht Zorn, sondern Gnade, nicht Beurteilung ob der Sünde, sondern Rechtfertigung, das heißt, Frei- und Lossprechung von allen Sünden und ihren Folgen, nicht Tod, sondern Leben zu verkündigen. So wäre nun aber auch unerklärlich, wenn wir zur Ausrichtung dieser Botschaft träge sein wollten. Ja, es steht so: Wenn sich Trägheit bei uns zeigt, so kann das nur daher kommen, daß wir des wunderbaren, herrlichen Inhalts der Botschaft vergessen, deren Verkündigung unser ganzer Synodalapparat mit seinen Lehranstalten, Missionen 2c. dient. Sobald wir uns daran erinnern, was wir zu verkündigen haben, müssen alle Christen unserer Synode wie mit Einem Munde sprechen: ,,Daß diese Botschaft verkündigt werde, darauf wollen wir Tag und Nacht bedacht sein, für den Zweck wollen wir unser Liebstes hergeben. Unsere Söhne wollen wir hergeben, denn wie könnten wir sie einem herrlicheren Dienste widmen! Unser irdisches Gut — und wenn es das letzte wäre, was wir besitzen — wollen wir hergeben, denn wie könnten wir es zu einem besseren Zweck verwenden! Kurz: alles, alles, alles wollen wir hergeben, damit die Sünder erfahren, daß sie allesamt durch Christum vollkommen erlöst sind, daß ihnen der Himmel offen steht, daß sie aus. Gnaden um Christi willen durch den Glauben gerecht und selig werden können.“ F. P.

Friede mit Gott 2018 | IMGS | P. Martin Blechschmidt Frontier Theme